2017-2020, Ein Fenster öffnet sich (Euro-Krise)

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Aktuelle Debatten über die Einheitswährung haben weitgehend gezeigt, dass die Reform einerseits dem Status quo vorzuziehen sei, andererseits aber auch der kompletten Aufgabe des Euro. Ist das genug, um die Transformation des Euro wie oben umrissen auszulösen? Sicher nicht. Dennoch veranlasst uns ein ganzes Bündel von konvergierenden Gründen, den Beginn einer Reform für 2020 vorherzusagen:

– die öffentlichen Meinungen, so wie sie von den nationalen Führern verstanden werden, wären bereit, eine Änderung in dieser Richtung zu begrüßen, nachdem die jüngste politische Debatte sie bereits mit Denunziationen über die Einheitswährung infiltriert hat, und sie erwarten eine Weiterentwicklung bereits im Anschluss an die 2017’er Wahlen in Frankreich und Deutschland

– wenn die extremen Rechten jetzt schon in der Lage waren, dieses Thema zu positionieren, werden sie noch hörbarer und legitimierter nach den Europawahlen 2019 sein, wenn sie dann eine der wichtigsten politischen Kräfte im Europäischen Parlament sein werden;

– Wenn der „Blockierer“ Schäuble (ohne Zweifel der stärkste Herrscher über den Euro) nach den deutschen Wahlen im September “kippt“, werden die Gespräche erheblich erleichtert werden;

– die Krise des Euro ist nicht vorbei, wie uns zum Beispiel die Diskussionen um Griechenland[1] oder Italien[2] ausreichend erinnern;

– nun wird aber der Wille, den Euro zu „retten“, durch den Brexit ironischerweise noch verstärkt: in der Tat hat Europa Finanzierungsbedarf für viele Projekte, darunter für die Sanierung seiner Infrastruktur, aber auch für seine Unternehmen, wenn diese in der Lage sein wollen, mit GAFA (Web-Riesen Google, Apple, Facebook und Amazon) oder anderen wie NATU (Netflix, Airbnb, Tesla, Uber) zu konkurrieren, die allesamt von der Wall Street finanziert werden. Die ungewisse Zukunft der Stadt London, was die Steuerung des Euro angeht, hat ebenfalls ein großes Projekt der „Rückholung“ dieses Marktes auf den Kontinent ausgelöst, mit Frankfurt und Paris in vorderster Linie[3];

– Protektionismus, der derzeit den Wind in den Segeln hat (die Trump Wahlen gehören natürlich dazu) plädiert für eine Rückkehr zu nationalen Währungen, aber auch für eine Rückbesinnung und eine Stärkung des Euro-Raums gegenüber den Kolossen China, Indien, Russland und Amerika, eine Gleichung, die aufgeht in der Lösung einer Reform, wie wir sie oben skizzierten haben

– die angebliche „Bedrohung“ durch China ist vor allem ein starker Hebel, den Euro in einer oder anderen Weise zu retten;

– schließlich ist es interessant zu bemerken, dass Deutschland, das, wie wir oben erklärt haben, nach seinen Lohnmäßigungen reichlich vom Euro profitiert hat, seinen Vorteil nicht weiter ausbaut: so kritisiert Schäuble die Politik der EZB, die zu einem zu schwachen Euro führt, während genau dieser doch die deutschen Exporte noch anheizt… Länder wie Italien zum Beispiel[4], die unter dem Euro leiden, können daher hoffen, eine Basis für Verständigung zu finden, in etwa so wie „der Euro ist zu niedrig für Sie, zu stark für uns, wie wollen wir weitermachen? “.

fig1Abbildung   – Entwicklung des BIP pro Einwohner in der Eurozone, Frankreich, Deutschland und Italien zwischen 1998 und 2016. Quelle : Bloomberg.

 Ein solcher Ausweg aus der europäischen Krise wäre natürlich eine große Niederlage für das Europa der letzten 20 Jahre, weil er mehr oder weniger eine Rückkehr zu dem System des ECU (1979-2002) wäre, und er würde für mindestens weitere 20 Jahre für das Projekt der politischen Union und der sozioökonomische Zusammenführung Kräfte binden, die dazu beitragen würden, die Verabschiedung einer Einheitswährung freizugeben. Aber unser Team ist mit Antizipation beschäftigt, und auch wenn die Denkfabrik LEAP, zu dem es gehört, wird weiter Maßnahmen ergreift, die zur Demokratisierung der europäischen und der Euroland-Institutionen beitragen, muss es zugleich klar im Auge behalten, dass die größten Potenziale in den Lösungen zwischen den Mitgliedstaaten liegen, die sich weigern, das europäische Projekt mit den Bürgern zu teilen, denen es eigentlich dienen sollte… (extrakt GEAB 114 / 2017)

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[1] Quelle: New York Times, 05/04/2017.
[2] Quelle: Euronews, 21/03/2017.
[3] Quelle: Reuters (01/04/2016) ; L’Usine Nouvelle (07/07/2016) ; Guardian (21/02/2017), usw.
[4] Quelle: Bloomberg, 23/03/2017.