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Perspectives
GEAB 123 Großbritannien 2019: Und wenn der Brexit ein Erfolg wäre?

Bis jetzt waren sich Medien und Analysten einig: Der Brexit stellt für Großbritannien und nur für Großbritannien eine unsichere und gefährliche Zukunft dar. Unsere Leser wissen, dass wir diesbezüglich immer vorsichtiger waren. Während die erste Verhandlungsphase abgeschlossen wurde (Ende letzten Jahres) und die zweite Phase in Gang kommt, ist es an der Zeit zuzugeben, dass dieser Austritt aus der EU Großbritannien einerseits viele Möglichkeiten öffnet und, dass er andererseits neue reale Risiken für die Europäische Union schafft.

Tatsächlich könnten sich in dieser zweiten Verhandlungsphase, die sich auf die Übergangsperiode und die zukünftigen Beziehungen zwischen den beiden Parteien konzentrieren wird, die Kräfteverhältnisse umkehren. Die britische Regierung, der seit Beginn ein Mangel an Klarheit und Realismus vorgeworfen wurde, hat durch Theresa May am 2. März eine Reihe von Punkten geklärt und einen konkreten Austrittsplan aufgestellt. Die Kommission ihrerseits zeigt sich immer weniger kooperativ und stellt Anforderungen (Verhinderung, dass Großbritannien in der Übergangsperiode mit der Verhandlung von  Handelsabkommen anfängt; Verlagerung der Zollgrenze von der irischen Grenze an die Grenze zwischen der irischen  und der britischen Insel), die von einigen Beobachtern als unrealistisch eingeschätzt werden. Wenn die Europäische Union sich zu lange blind gegenüber den Fortschritten Großbritanniens zeigt und einen erbärmlichen Revanchegeist an den Tag legt (der dazu dienen soll, anderen Ländern Angst einzujagen), könnte das zu einer Gegenreaktion führen, die genau das, was sie vermeiden will, auslöst, nämlich einen Domino-Effekt.

Der Brexit stellte ein größeres Versagen der Europäischen Kommission dar. Er sollte eigentlich dazu führen, dass sie sich selbst reformiert, stattdessen rächt sie sich am Vereinigten Königreich. Wenn wir uns stattdessen 2019 in einer Situation wiederfinden, in der das von der Brüsseler Vormundschaft befreite Vereinigte Königreich Erfolg hat (mit einem dynamischen, modernen und dem Rest der Welt zugewandten Image), währen die EU weiterhin in ihrem Nicht-Funktionieren, ihrer Langsamkeit und ihren Blockaden schwimmt, welche dazu geführt haben, dass Großbritannien geflüchtet ist, was wird dann ihrer Meinung nach passieren?

Theresa May schließt die Reihen …
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Eine Rückkehr zum Commonwealth verbunden mit einer vertieften Handelspartnerschaft mit der EU

Ein Warenhandel ohne Hindernisse
Ein Verlassen dieser Regulierung und eine Emanzipation von der Brüsseler Bevormundung ist nach wie vor sehr wahrscheinlich, denn obwohl eine Handelspartnerschaft nach dem Brexit selbstverständlich ist, ist es nicht garantiert, dass sie die Finanzdienstleistungen abdeckt. Die Rede der britischen Regierungschefin vom 2. März hat einen Punkt, den sie schon vorher angekündigt hatte, definitiv geklärt: die künftigen europäisch-britischen Beziehungen werden durch ein Freihandelsabkommen definiert. Es ist sehr wahrscheinlich, um nicht zu sagen gesetzt, dass dieses Abkommen einen Warenverkehr ohne Zollschranken und Zollkontingente garantieren wird, da dieses Ziel von beiden Verhandlungsparteien geteilt wird. Für die Europäer erscheint dieser Punkt offensichtlich, da die Waren-Handelsbilanz sehr stark positiv zugunsten des Kontinents ist. Den Briten wird dieser Punkt erlauben, ihre Importkosten zu begrenzen.

fig001Abbildung 1 – Britische Handelsbilanz, Waren (blau) und Dienstleistungen (gelb) in Milliarden Pfund Sterling, ... Lesen