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Perspectives
pic chine Umfassende weltweite Krise – 2015: Die Koordinaten der Weltordnung verschieben sich nach Osten

In den letzten Wochen ist zweierlei geschehen, was zusammen genommen in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden kann:Zum einen hat China nun die amerikanische Produktion überholt und ist nun ganz offiziell die größte Wirtschaftsmacht der Welt; nach den Zahlen des IWF beläuft sich die chinesische Wirtschaftsleistung auf 17,61 Billionen Dollar, die der USA auf 17,4. Auch wenn die Mainstream- Medien dieser Nachricht kaum Beachtung geschenkt haben, so halten wir hingegen diesen Stabwechsel für ein Ereignis von historischer Bedeutung. Zum ersten Mal seit dem frühen 20. Jahrhundert sind die USA nicht mehr die weltweit größte Wirtschaftsmacht (1)!

Schaubild 1: Chinas (blau) und USAs BIP (rot), entsprechend der jeweiligen Kaufkraft, in Milliarden Dollar, 2002 – 2019. Quelle: Financial TimesZum anderen scheitern die USA in ihren Bemühungen, das überbordende Chaos im Irak einigermaßen unter Kontrolle zu halten, kläglich. Es ist gerade einmal ein paar Monate her, dass die USA in der Ukrainekrise so taten, als wären sie militärisch stark genug, einen Krieg mit Russland riskieren zu können. Und nun zeigt sich, dass sie nicht einmal in der Lage sind, einer Terrorbande Herr zu werden. Rückblickend wirken nun ihre Versuche, sich als Militärsupermacht aufzuspielen, schlichtweg lächerlich. Heute weiß alle Welt, dass die USA die berühmten Hunde sind, die bellen, aber nicht beißen.

An diesen beiden Geschehnissen lässt sich ablesen, dass nun eine wichtige Etappe im Ablauf der umfassenden weltweiten Krise absolviert ist. Heute ist China die neue Supermacht. Die neue Weltordnung wird von der chinesischen Dominanz geprägt.

Europa, Russland – Ein chinesischer Marshallplan

Der Aufstieg Chinas zum wichtigsten Akteur auf der Bühne der Weltwirtschaft und der internationalen Politik wurde durch die Ukrainekrise überstürzt. Obwohl China versuchte, still und leise in diese Rolle hineinzuwachsen, obwohl Russland um Abstand zu einem zu aufdringlichen China bemüht war, obwohl die Europäer eigentlich auch Interesse daran hätten haben sollen, dass sich der Aufstieg Chinas diskret und allmählich vollzieht, beschleunigte die Ukrainekrise den Wandel und ließ die Akteure die Kontrolle über den Prozess verlieren.Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass die Ukrainekrise und die folgende Sanktionspolitik die Russen dazu gebracht haben, einen Gaslieferungsvertrag mit China zu unterzeichnen, der für sie weniger gewinnbringend als geplant ist. Die Ukrainekrise hat Russland zu einem Schritt gezwungen, den sie sonst so nicht gemacht hätten.

Zurzeit ist der chinesische Premierminister zum Staatsbesuch in Europa und Russland (2). Und er bringt einiges an Verträgen, an Investitionsprojekten und Geschäftsmöglichkeiten (3) im Handgepäck mit. Es ist geradezu ein Marshallplan für den Wiederaufbau der europäischen und der russischen Wirtschaft, die teilweise von den Kämpfen in der Ukraine massiv in Mitleidenschaft gezogen waren (4). Da können Russland und Europa natürlich nicht nein sagen. Aber können wir gegenwärtig sicher sein, dass Europa auf diese Weise nicht in eine Abhängigkeit zu China schlittert, so wie es bisher von den USA abhängig war? Schließlich war auch Ziel des US- Marshallplans nach dem 2. Weltkrieg, die europäische Wirtschaft an die amerikanische zu binden.

China hat bereits die Londoner City vor dem Konkurs gerettet, weil die City als erster Finanzplatz außerhalb Chinas chinesische Staatsanleihen herausgeben darf (5). Kein Wunder, dass nun England mit Verve dafür eintritt, den ... Lesen