Lesen Sie die Pressemitteilung
Perspectives
pyramides Umfassende weltweite Krise 2015 – Die Weichen sind auf Zukunft gestellt; Europa wird der Kriegslogik des westlichen agers entrinnen

Seit 2006 analysiert der GEAB die Entwicklung, für die wir von Anfang an den Begriff der ‚umfassenden weltweiten Krise‘ geprägt haben, und sagen deren Ablauf Etappe für Etappe voraus. Dass wir in einer Krise sind, bezweifelt seit 2008 niemand mehr. Auch dass sie weltweit ist, ist anerkannt. Aber hat die Welt verstanden, dass sie auch umfassend ist (neudeutsch systemisch), also alle Sektoren und Bereiche der aktuellen Weltordnung (politisch, wirtschaftlich, finanziell, sozial, geopolitisch etc.) ergriffen hat?
Der sichtbare Teil dieses Systemwechsels, den niemand mehr in Zweifel zieht, ist das Auftauchen von neuen, sehr großen internationalen Akteuren, die die Weltordnung, wie sie von den USA nach dem 2. Weltkrieg errichtet und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vollendet worden war, in Frage stellen.Deshalb sprechen wir im GEAB seit langem von der mächtigen Grundtendenz, dass eine multi-polare Welt entstehe, die Reformen der bestehenden internationalen Institutionen erfordert oder, sollte dies nicht gelingen, die Errichtung einer neuen Welt- Governance (in einem noch zu innovativen, noch nicht näher bestimmbaren Prozess, bei dem nach unserer Auffassung Europa dank seiner einzigartigen Erfahrung der Integration staatlich souveräner Strukturen unterschiedlicher Größe und Bevölkerungszahl in einer überstaatlichen Struktur eine historische Rolle einzunehmen hätte).

Und es gibt eine weitere mächtige Grundtendenz mit enormen Strukturierungspotential für die entstehende neue Weltordnung, über die weitgehend Einigkeit herrscht, nämlich das Internet, das nicht nur die Wirtschaftsströme weltweit erleichtert, sondern de facto die Voraussetzung schafft, dass die ganze Welt miteinander vernetzt ist und damit eine neue, horizontale globale Gesellschaft entstehen kann. Das ist eine Art gesellschaftlicher Strukturierung, die sich ganz wesentlich von der hierarchischer Gesellschaften, die im 19. Jahrhundert entstanden waren und die offiziell weiterhin das Grundmodell unserer politisch- institutioneller Systeme auf nationaler, internationaler und supra-nationaler Ebene liefern, unterscheidet: Organisationstrukturen in Pyramidenform wandeln sich in horizontale Netzstrukturen (1).

Eine kombinierte Betrachtung dieser beiden großen Tendenzen hilft uns, eine Vorstellung zu entwickeln, wie die Welt von Morgen aussehen wird : Ein weltweite Bürgergesellschaft, die sich als weitgehend auto- organisiertes Netzwerk entwickelt und für die ein Modell ihrer politischen Institutionen erst noch entwickelt werden muss. Es ist davon auszugehen, dass dieses Modell sich aus kleinen und flachen Strukturen der politischen Koordination (2) zusammensetzen wird, die in Entsprechung zu ihrer Zuständigkeit in soziale Netzwerke integriert sind (3).

Aber bevor ein solches System offiziell geschaffen werden kann, ergibt sich die grundsätzliche Schwierigkeit, wie die Zukunftsdynamiken in das alte hierarchische, wie eine Pyramide aufgebaute System integriert werden können, oder, falls dies nicht gelingt, es überwunden werden kann. Wir vertreten die Auffassung, dass sich zurzeit dieser Kampf zwischen dem alten System und den neuen Entwicklungen abspielt: Ein System mit quasi-imperialem Anspruch der Allzuständigkeit innerhalb seines Herrschaftsgebiets gegen ein System der Koordinierung unabhängiger politischer Entitäten; repräsentative Demokratie gegen Organisation unmittelbarer Bürgerbeteiligung, Pyramide gegen Netzwerk, militärisch durchgesetzte Kolonialisierung gegen weltweiten Handel nach gemeinsam vereinbarten Regeln, nationale Systeme gegen post- nationale Systeme, fossile Energieträger gegen erneuerbare Energien, Schwer- ‚Wirtschaft‘ gegen digitale Wirtschaft, Banken gegen dezentrale Finanzströme, Arbeitnehmerschaft gegen Online- Projektarbeit, VN- Institutionen gegen BRICS und vergleichbare Staatenvereinigungen usw.

Da den Akteuren der Welt von Gestern jedes Verständnis für diese zukunftsweisende Entwicklung fehlt, versuchen sie gegenwärtig mit den klassischen Unterwerfungsmethoden (Finanzen, Armee, Religion oder Ideologie), die „natürliche“ Entwicklung der Welt zu verhindern. Natürlich wird dieser Kampf scheitern, aber abhängig davon, wie lange er sich hinziehen wird, bevor sich diese Akteure der alten Welt in die neue fügen, ... Lesen