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Währungs-Geopolitik: Libra gegen E-Yuan

Die immense Stagnation einer Eurozone, die in einer zerfallenden EU gefangen ist, hat dazu geführt, dass der Euro viele Gelegenheiten verpasst hat. Aber zwei Wendepunkte reißen die Währungsunion aus ihrer Trägheit. Es handelt sich um:

. die Ankündigung von Facebook zur Einführung seiner virtuellen Währung Libra, die unter den Staaten Panik ausgelöst und vorerst zu einer Art Moratorium geführt hat[1]; aber was Facebook mit dieser Ankündigung bestätigt hat, ist, dass das derzeitige Währungssystem für die globale E-Wirtschaft nicht mehr ausreicht.

. die Einführung des digitalen Yuan oder DC/EP[2] (verkündet kurz nach der des Libra im August[3]), die bis vor kurzem für den 11. November, dem Singles‘ Day[4], angekündigt war und jetzt für Januar-Februar geplant ist: diesmal ist von keinem Moratorium mehr die Rede, China ist ein souveräner Staat, der frei ist, diese Art von Initiative zu unternehmen.

Abbildung 1 – Funktionieren des Libra. Quelle: Figaro.

 

Während die Eurozone, die BIZ und die BoE bei diesen Ankündigungen in Panik geraten, glaubt der ehemalige Chef der Fed, Alan Greenspan, dass es für die Zentralbanken keinen Grund gibt, digitale Währungen auszugeben[5]. Diese Bemerkung kann man auf sein Alter und seine Nationalität zurückzuführen (es ist in erster Linie die Hegemonie des Dollars, die durch diese Entwicklungen bedroht ist); aber es gibt eine dritte Analyse des sehr logischen Widerstands eines Greenspan gegen digitale Zentralbankwährungen: Der Libra ist auch der neue Dollar, nämlich eine globale Währung, die aus (und nicht „von“) den Vereinigten Staaten ausgegeben wird. Einerseits würde die Fed ihre Kontrolle über einen nationalen Dollar behalten, der, wie wir wiederholt analysiert/antizipiert haben, sich in seine Heimat zurückzieht, und andererseits emittieren die modernen Versionen der amerikanisch-zentrierten Global Governance, die GAFAs, eine neue Währung für den internationalen Handel.

Die Polarisierung in ein Libra-Modell auf der einen Seite und ein E-Yuan-Modell auf der anderen Seite könnte den Keim einer offensiven Währungs-Geopolitik als Weiterentwicklung des Handelskrieges zwischen den USA und China in sich tragen. Sie sehen die symbolischen Hinweise auf eine Kalte-Kriegs-Konfrontation zwischen der freien Welt (Libra) und dem kommunistischen Block (diesmal Yuan statt Rubel). Sogar in ihrer Struktur bilden diese beiden Währungen einen Gegensatz: der Libra ist eine sogenannte dezentrale Kryptowährung, weil er auf der Blockchain-Technologie basiert und an ein liberales Modell angepasst ist[6]; während der E-Yuan eine von der chinesischen Zentralbank regulierte digitale Währung ist, die einem sozialistischen Wirtschaftsmodell entspricht.

Allerdings wird viel über den zentralisierten Charakter des digitalen Zentralbankgeldes, das China emittieren wird, geschrieben[7]; jedoch hat Xi Jinping jeden überrascht, als er erst kürzlich all das Gute hervorhob, das er von der (dezentralen) Blockchain als Grundlage für die internationale Finanz-Governance hält[8]. In Wirklichkeit unterscheidet China zwischen den zentralisierten nationalen (oder supranationalen, wie dem Euro) Währungen und dem von ihm geforderten dezentralen internationalen Währungssystem, in dem jede Ebene als unverzichtbar und komplementär zur anderen angesehen wird.

Im Jahr 2020 werden Libra und E-Yuan die Märkte erreichen:

. Beim E-Yuan ist es der chinesische Markt (1,5 Milliarden Menschen), erweitert auf den RCEP-Markt (2,1 Milliarden, also zusätzlich 600 Millionen Menschen – ohne Indien), dessen Unterzeichnung im nächsten Februar abgeschlossen sein soll[9], und auf die wichtigsten Partner der Seidenstraße (3 Milliarden Menschen, also 900 Millionen mehr als RCEP)[10] wie Kleinasien, Europa, Afrika …

. Der Libra seinerseits erreicht seine 2,3 Milliarden Nutzer – was erklärt, warum Facebook und nicht Amazon („nur“ 150 Millionen Kundenkonten) eine Währung einführt – mit Fokus auf Europa (286 Millionen Nutzer[11]), Indien (270 Millionen), die Vereinigten Staaten (190 Millionen) und die Schwellenländer (Indonesien, Brasilien, Mexiko, Philippinen, Vietnam, Thailand …)[12].

Der Libra/E-Yuan-Krieg wäre teilweise territorial, weil die Vereinigten Staaten und China sich zunächst gegenseitig ausschließen: kein E-Yuan in den Vereinigten Staaten und keine Libra in China (China hat sich nicht nur wegen der Frage des geistigen Eigentums gegen die GAFA verschlossen). Aber in eben dieser Anfangsphase werden die Zwischenzonen „frei“ sein, beide Währungen in ihrem internationalen Handel zu verwenden, zusätzlich zu ihren eigenen Währungen (die „normales“ Geld bleiben, wenn man Greenspan glaubt) für den lokalen Handel. Aber Expansion ist der natürliche Impuls jeder Logik von Macht und Geld. Und die „Zwischenzonen“ würden bald von einer wachsenden Forderung nach „Wähle dein Lager“ erdrückt werden.

Aber es existiert ein weiteres Szenario …(fur mehr : GEAB 139)

[1]      Quelle: AISkills, 23/10/2019

[2]      Quelle: BoxMining, 13/11/2019

[3]      Quelle: Bloomberg, 12/08/2019

[4]      Der chinesische Singles‘ Day ist bedeutender als der amerikanische Black Friday. Quelle: The Telegraph, 11/11/2019

[5]      Quelle: NewsMax, 12/11/2019

[6]      Quelle: Forbes, 07/10/2019

[7]      Quelle: etorox, 15/08/2019

[8]      Quelle: Wired, 11/12/2019

[9]      Quelle: Reuters, 03/11/2019

[10]     Quelle: OECD, 2018

[11]     Quelle: CNBC, 25/04/2019

[12]     Quelle: Statista, 07/2019

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