Home Blog Virtualisierung des europäischen Finanzsystems: Eine neue Etappe der Ausschaltung der Vermittlung

Virtualisierung des europäischen Finanzsystems: Eine neue Etappe der Ausschaltung der Vermittlung

Der IWF und die internationalen Finanzinstitutionen bereiten Reformen des internationalen Währungssystems vor, die auch dieser doppelten Zielsetzung von Effizienz (und damit Modernität und Weltoffenheit) und Akzeptanz (und damit Achtung der Souveränitäten) Rechnung tragen müssen.

Wir haben unsere Leser bereits auf Christine Lagardes sehr wichtige Rede vom vergangenen November zur Schaffung von „digitalen Zentralbankwährungen“ (CBDC, Central Bank Digital Currency) aufmerksam gemacht[1]. Es ist jetzt an der Zeit, auf diese Rede zurückzukommen und sie für die Erhellung des uns heute interessierenden Themas zu verwenden: die Zukunft der europäischen Privatbanken.

Zunächst ist zu beachten, dass die vorgeschlagene „Revolution“ der Digitalisierung von Staatswährungen eine langfristige ist, da diese Lösung nach Ansicht von Spezialisten erst 2025-2030 implementiert werden wird[2]. Transformationen dieses Ausmaßes sind natürlich langwierig.

Seit dieser Rede kann man auch eine Änderung des Tonfalls bezüglich der Kryptowährungen beobachten: Benoît Coeuré, bekannt dafür, dass er im November 2018 Kryptowährungen als „Teufel“ bezeichnete[3], verfügt jetzt mit seinen Kollegen, dass Kryptos die Finanzstabilität nicht gefährden[4].

Seitdem sahen überraschenderweise die Kryptowährungen einen Höhenflug[5]. Man kann sagen, dass die große Wertsteigerung vom Ende 2017 das Ergebnis eines echten Publikumserfolgs war (und wir hatten antizipiert, dass er nur so lange anhalten würde, wie die Finanzbehörden ihn zulassen würden), doch diese neue Episode ist wahrscheinlich viel geplanter. Die unzähligen privaten und öffentlichen Experimente mit digitalen Währungen dienen heute als In-vivo-Labor für die Reform des globalen Währungssystems.

Abbildung – Kurs des Bitcoin in USD, 2017-2019. Quelle: Etoro.

 

Besser noch, unser Team glaubt, dass sie heute als innovatives und dezentrales Mittel (unter der Aufsicht des Finanzsystems, aber außerhalb seiner juristischen Verantwortlichkeit) eingesetzt werden, um eine nicht auf Schulden basierende Geldmenge zu schöpfen, und damit als Experiment zur Lösung des Problems von 184 Billionen Dollar weltweiten Schulden[6]. Wir werden es im folgenden zeigen.

Damit kehren wir zu unseren vielzitierten Privatbanken zurück, die zu Recht beschuldigt werden, durch ihre Kreditentscheidungen die Hauptverantwortlichen für die Schöpfung einer Buch-Geldmenge zu sein, deren Hauptfehler darin besteht, dass sie mit einem Anwachsen der Schulden ihrer Länder einhergeht[7].

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