{"id":1266,"date":"2014-11-04T20:32:26","date_gmt":"2014-11-04T19:32:26","guid":{"rendered":"https:\/\/geab.eu\/\/crise-systemique-globale-2015-le-monde-passe-a-lest-2\/"},"modified":"2016-09-15T20:19:45","modified_gmt":"2016-09-15T18:19:45","slug":"crise-systemique-globale-2015-le-monde-passe-a-lest","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/geab.eu\/de\/crise-systemique-globale-2015-le-monde-passe-a-lest\/","title":{"rendered":"Umfassende weltweite Krise &#8211; 2015: Die Koordinaten der Weltordnung verschieben sich nach Osten"},"content":{"rendered":"<div id=\"para_1\" class=\"para_10837970 resize\">\n<div class=\"texte\">\n<div class=\"access firstletter\">\n<div id=\"para_1\" class=\"para_10843742 resize\">\n<div class=\"texte\">\n<div class=\"access firstletter\">\n<p>In den letzten Wochen ist zweierlei geschehen, was zusammen genommen in seiner Bedeutung nicht untersch\u00e4tzt werden kann:<\/p>\n<p>Zum einen hat China nun die amerikanische Produktion \u00fcberholt und ist nun ganz offiziell die gr\u00f6\u00dfte Wirtschaftsmacht der Welt; nach den Zahlen des IWF bel\u00e4uft sich die chinesische Wirtschaftsleistung auf 17,61 Billionen Dollar, die der USA auf 17,4. Auch wenn die Mainstream- Medien dieser Nachricht kaum Beachtung geschenkt haben, so halten wir hingegen diesen Stabwechsel f\u00fcr ein Ereignis von historischer Bedeutung. Zum ersten Mal seit dem fr\u00fchen 20. Jahrhundert sind die USA nicht mehr die weltweit gr\u00f6\u00dfte Wirtschaftsmacht (1)!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"para_2\" class=\"para_10843783 resize\">\n<div class=\"texte\">\n<div class=\"access firstletter\">\n<p><em>Schaubild 1: Chinas (blau) und USAs BIP (rot), entsprechend der jeweiligen Kaufkraft, in Milliarden Dollar, 2002 \u2013 2019. Quelle: Financial Times<\/em><\/p>\n<p>Zum anderen scheitern die USA in ihren Bem\u00fchungen, das \u00fcberbordende Chaos im Irak einigerma\u00dfen unter Kontrolle zu halten, kl\u00e4glich. Es ist gerade einmal ein paar Monate her, dass die USA in der Ukrainekrise so taten, als w\u00e4ren sie milit\u00e4risch stark genug, einen Krieg mit Russland riskieren zu k\u00f6nnen. Und nun zeigt sich, dass sie nicht einmal in der Lage sind, einer Terrorbande Herr zu werden. R\u00fcckblickend wirken nun ihre Versuche, sich als Milit\u00e4rsupermacht aufzuspielen, schlichtweg l\u00e4cherlich. Heute wei\u00df alle Welt, dass die USA die ber\u00fchmten Hunde sind, die bellen, aber nicht bei\u00dfen.<\/p>\n<p>An diesen beiden Geschehnissen l\u00e4sst sich ablesen, dass nun eine wichtige Etappe im Ablauf der umfassenden weltweiten Krise absolviert ist. Heute ist China die neue Supermacht. Die neue Weltordnung wird von der chinesischen Dominanz gepr\u00e4gt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"clear\"><\/div>\n<div class=\"clear\"><strong>Europa, Russland \u2013 Ein chinesischer Marshallplan<\/strong><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"para_3\" class=\"para_10848083 resize\">\n<div class=\"texte\">\n<div class=\"access firstletter\">Der Aufstieg Chinas zum wichtigsten Akteur auf der B\u00fchne der Weltwirtschaft und der internationalen Politik wurde durch die Ukrainekrise \u00fcberst\u00fcrzt. Obwohl China versuchte, still und leise in diese Rolle hineinzuwachsen, obwohl Russland um Abstand zu einem zu aufdringlichen China bem\u00fcht war, obwohl die Europ\u00e4er eigentlich auch Interesse daran h\u00e4tten haben sollen, dass sich der Aufstieg Chinas diskret und allm\u00e4hlich vollzieht, beschleunigte die Ukrainekrise den Wandel und lie\u00df die Akteure die Kontrolle \u00fcber den Prozess verlieren.Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass die Ukrainekrise und die folgende Sanktionspolitik die Russen dazu gebracht haben, einen Gaslieferungsvertrag mit China zu unterzeichnen, der f\u00fcr sie weniger gewinnbringend als geplant ist. Die Ukrainekrise hat Russland zu einem Schritt gezwungen, den sie sonst so nicht gemacht h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Zurzeit ist der chinesische Premierminister zum Staatsbesuch in Europa und Russland (2). Und er bringt einiges an Vertr\u00e4gen, an Investitionsprojekten und Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeiten (3) im Handgep\u00e4ck mit. Es ist geradezu ein Marshallplan f\u00fcr den Wiederaufbau der europ\u00e4ischen und der russischen Wirtschaft, die teilweise von den K\u00e4mpfen in der Ukraine massiv in Mitleidenschaft gezogen waren (4). Da k\u00f6nnen Russland und Europa nat\u00fcrlich nicht nein sagen. Aber k\u00f6nnen wir gegenw\u00e4rtig sicher sein, dass Europa auf diese Weise nicht in eine Abh\u00e4ngigkeit zu China schlittert, so wie es bisher von den USA abh\u00e4ngig war? Schlie\u00dflich war auch Ziel des US- Marshallplans nach dem 2. Weltkrieg, die europ\u00e4ische Wirtschaft an die amerikanische zu binden.<\/p>\n<p>China hat bereits die Londoner City vor dem Konkurs gerettet, weil die City als erster Finanzplatz au\u00dferhalb Chinas chinesische Staatsanleihen herausgeben darf (5). Kein Wunder, dass nun England mit Verve daf\u00fcr eintritt, den Yuan in das System der IWF- Sonderziehungsrechte zu integrieren. Auch hei\u00dft es, die EZB denke dar\u00fcber nach, W\u00e4hrungsreserven in Yuan vorzuhalten (6). Und Europa findet sich in der Rolle, die ihm auf den Leib geschneidert ist, n\u00e4mlich als Steigb\u00fcgelhalter der neuen Weltordnung, die die alte Weltordnung abl\u00f6st. Aber es w\u00e4re sch\u00f6n gewesen, wenn Europa diese Rolle aktiv, als Ausfluss seiner Vision von einer w\u00fcnschenswerten Entwicklung, angenommen h\u00e4tte (7), statt ausschlie\u00dflich von Gesch\u00e4fts\u2013 bzw. \u00dcberlebensinteressen zu dieser Politik gezwungen zu sein.<\/p>\n<p>All diese Aktivit\u00e4ten zwischen Europa, Russland und China werden in den n\u00e4chsten Tagen ihren H\u00f6hepunkt im <a class=\"liens\" href=\"http:\/\/www.aseminfoboard.org\/2011-12-22-05-56-13\/event\/436-asem-10-summit.html\" target=\"_blank\">ASEM- Gipfel in Mailand<\/a> vom 16.\/17. Oktober finden. Dieses Treffen von Staats- und Regierungschefs aus Asien und Europa k\u00f6nnte sehr wohl Einzug in den Geschichtsb\u00fcchern finden, wenn es dort gelingt, die europ\u00e4ischen und asiatischen Interessen zu koordinieren; im Rahmen von ASEM k\u00f6nnten Asien und Europa gemeinsam die Instrumente f\u00fcr die L\u00f6sung der Euro-Krise, der Ukrainekrise, der europ\u00e4isch-russischen Krise sowie der umfassenden weltweiten Krise liefern. Das Treffen w\u00e4re damit der Moment, an dem man den endg\u00fcltigen \u00dcbergang von der alten in die neue Weltordnung verorten k\u00f6nnte. Sicherlich w\u00e4re ein Euro-BRICS-Gipfel (8) geeigneter gewesen, um die neue Weltordnung aus der Taufe zu heben, da er die neue Realit\u00e4ten der kommenden multipolaren Weltordnung exakter abgebildet h\u00e4tte; aber die Zeit dr\u00e4ngt und immerhin werden drei der f\u00fcnf BRICS vor Ort sein (Russland, Indien, China). ASEM wird, was zumindest Wirtschaftskraft, Bev\u00f6lkerung und Anteil am Welthandel anbelangt, weitgehend repr\u00e4sentativ f\u00fcr die neuen globalen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse sein. Und vor allen Dingen werden die USA au\u00dfen vor bleiben. Dies ist unabdingbar, da die USA keine Gelegenheit vers\u00e4umen, die Anpassung der Weltordnung an die neuen Realit\u00e4ten zu hintertreiben und zu sabotieren.<\/p>\n<p>Der Erfolg dieses Treffens wird allen europ\u00e4ischen Entscheidern vor Augen halten, welch immenser Unterschied zwischen den Zukunftsaussichten eines weiteren B\u00fcndnisses mit den USA (was immer auf Kriegsbeteiligungen hinausl\u00e4uft) und den Perspektiven einer strategischen Ann\u00e4herung an Asien (was einen wirtschaftlichen Aufschwung verhei\u00dft) besteht (9). Wir gehen davon aus, dass die Hoffnungen, die mit diesem Treffen gen\u00e4hrt werden, insbesondere zur Folge haben werden, dass der schon heute so sehr in der Kritik stehende transatlantische Freihandelsvertrag TTIP endg\u00fcltig beerdigt wird (10).<\/p>\n<p>Unsere Leser wissen, dass wir dem unaufhaltbaren Aufstieg Chinas nicht mit Sorge begegnen. Aber Politische Antizipation muss auch ber\u00fccksichtigen, dass das politische System in China sich wandeln, dass die neu errungene Weltmachtposition Versuchungen, die neue St\u00e4rke zu missbrauchen, wecken, dass die wirtschaftliche Lage sich \u00e4ndern kann. Europa muss daher den notwendigen Aufwand treiben, auch gegen\u00fcber einer neuen Supermacht in der Lage zu sein, seine Unabh\u00e4ngigkeit zu bewahren.<\/p>\n<p>Insoweit sehen wir in einem weiteren Punkt Anlass f\u00fcr Optimismus. In Europa sind die ersten Studentengenerationen, f\u00fcr die Europa dank des Erasmus- Programms und der gesamteurop\u00e4ischen Ausrichtung der Universit\u00e4tsausbildungen zur Lebensrealit\u00e4t geworden ist, inzwischen 40 bis 50 Jahre alt und haben in ihren Arbeitsbereichen Positionen erreicht, auf denen sie Einfluss aus\u00fcben k\u00f6nnen. Ihre F\u00e4higkeit, sich auf eine multipolare Welt einzustellen, ist unvergleichlich st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt als die der Eliten der fr\u00fcheren Generationen, die nur national oder in den USA ausgebildet waren und die im besten Fall gerade einmal Englisch als Fremdsprache beherrschten. Dank Erasmus hat Europa alle Tr\u00fcmpfe in der Hand, um trotz seiner relativ geringen Gr\u00f6\u00dfe auch weltweit von Bedeutung zu sein: Europ\u00e4ische sprachliche und kulturelle Vielfalt machen es diesen Generationen leichter, offen f\u00fcr die Welt zu sein und ihre Komplexit\u00e4t zu verstehen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen also abschlie\u00dfend festhalten, dass die Entstehung der multipolaren Welt sich wieder entlang der von LEAP vorhergesagten Linien vollzieht. Lediglich war ihre Genese schwieriger und verworrener als sie h\u00e4tte sein m\u00fcssen, wenn der \u00dcbergang aktiv betrieben worden w\u00e4re . Und die neue Welt wird auch st\u00e4rker von China dominiert werden, als dies w\u00fcnschenswert ist.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"access firstletter\">Noten:<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"para_4\" class=\"para_10848085 resize\">\n<div class=\"texte\">\n<div class=\"access firstletter\">(1) Weniger Aufsehen erregend, aber dennoch bezeichnend f\u00fcr einen Paradigmenwechsel: China hat bekannt gegeben, dass es nunmehr sein BIP anders berechnen und neben der Wirtschaftsleistung andere Parameter ber\u00fccksichtigen wird. Wenn die nun wichtigste Wirtschaftsmacht der Welt diese objektiv schon lange \u00fcberf\u00e4llige Entscheidung trifft, ist davon auszugehen, dass die alte Methode der Berechnung des BIP bald auf dem wirtschaftspolitischen Friedhof landen wird. Der statistische Nebel wird sich bald lichten und die sichtbar werdende Landschaft wird ganz anders aussehen als die, in der wir bisher zu leben glaubten.<br \/>\nQuelle : <a class=\"liens\" href=\"http:\/\/www.europesolidaire.eu\/article.php?article_id=1523&amp;r_id=\" target=\"_blank\">Europe Solidaire<\/a><br \/>\n(2) Quellen : <a class=\"liens\" href=\"http:\/\/usa.chinadaily.com.cn\/china\/2014-10\/03\/content_18695290.htm\" target=\"_blank\">China Daily<\/a>, 08\/10\/2014<br \/>\n(3) Quellen : <a class=\"liens\" href=\"http:\/\/www.businessinsider.com\/afp-china-russia-seek-international-justice-2014-10\" target=\"_blank\">Business Insider<\/a>, 14\/10\/2014 ; <a class=\"liens\" href=\"http:\/\/europe.chinadaily.com.cn\/europe\/2014-10\/09\/content_18711551.htm\" target=\"_blank\">China Daily<\/a>, 09\/10\/2014<br \/>\n(4) Die russisch-europ\u00e4ische Krise und die gegenseitigen Sanktionen sind nat\u00fcrlich der Hauptgrund der wirtschaftlichen Abk\u00fchlung in Russland und Europa in den letzten Monaten. \u00dcberraschend, dass diese Tatsache in den gro\u00dfen Medien keinerlei Beachtung findet. Aber sie wurde nun durch die katastrophalen neuesten Zahlen f\u00fcr die deutsche Wirtschaft best\u00e4tigt, deren Aussichten sich gerade in den letzten sechs Monaten eingetr\u00fcbt haben \u2013 sicherlich nur einem Zufall geschuldet: Quelle : <a class=\"liens\" href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/finance\/economics\/11142784\/Germany-factories-hammered-by-Russia-as-orders-drop-at-swiftest-pace-since-2009.html\" target=\"_blank\">The Telegraph<\/a>, 06\/10\/2014 ; <a class=\"liens\" href=\"http:\/\/www.ibtimes.co.uk\/german-economy-headed-recession-exports-plunge-1469171\" target=\"_blank\">International Business Times<\/a>, 09\/10\/2014<br \/>\n(5) Quelle : <a class=\"liens\" href=\"http:\/\/online.wsj.com\/articles\/u-k-treasury-to-sell-debut-renminbi-bond-1412844729\" target=\"_blank\">Wall Street Journal<\/a>, 09\/10\/2014<br \/>\n(6) Quelle : <a class=\"liens\" href=\"http:\/\/www.themalaymailonline.com\/money\/article\/ecb-considering-adding-yuan-to-its-foreign-reserves\" target=\"_blank\">Malay Mail<\/a>, 11\/10\/2014<br \/>\n(7) Indem es sich aktiv f\u00fcr das Enstehen einer multipolaren Welt eingesetzt h\u00e4tte, wof\u00fcr sich Franck Biancheri und LEAP schon seit Jahren eingesetzt haben.<br \/>\n(8) F\u00fcr dessen Abhaltung wir uns schon seit 2009 einsetzen. Vgl. das <a class=\"liens\" href=\"http:\/\/www.leap2020.net\/euro-brics\/\" target=\"_blank\">Euro-BRICS<\/a>\u2013 Projekt von LEAP.<br \/>\n(9) Der GlobalEurometer best\u00e4tigt seit einigen Monaten diese Auffassung. Viele Europ\u00e4er sind sich inzwischen sehr wohl bewusst, dass die f\u00fcr die Zukunft entscheidenden Dynamiken sich eher in den BRICS als in den USA abspielen.<br \/>\n(10) Wir hatten immer vorhergesagt, dass TTIP scheitern werde. Aber die Ereignisse der letzten Monate, in der Europa wieder voll auf Kurs des westlichen, amerikadominierten Lagers gebracht wurde, brachten auch die reale Gefahr mit sich, dass TTIP den Menschen in Europa von ihren amerikah\u00f6rigen Eliten aufgezwungen w\u00fcrde.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen ist zweierlei geschehen, was zusammen genommen in seiner Bedeutung nicht untersch\u00e4tzt werden kann: Zum einen hat China nun die amerikanische Produktion \u00fcberholt und ist nun ganz offiziell die gr\u00f6\u00dfte Wirtschaftsmacht der Welt; nach den Zahlen des IWF bel\u00e4uft sich die chinesische Wirtschaftsleistung auf 17,61 Billionen Dollar, die der USA auf 17,4. 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