{"id":134484,"date":"2024-07-31T11:58:20","date_gmt":"2024-07-31T09:58:20","guid":{"rendered":"https:\/\/geab.eu\/navigation-a-vue-pour-lenergie-de-demain\/"},"modified":"2024-07-31T15:54:17","modified_gmt":"2024-07-31T13:54:17","slug":"fahrplan-fuer-die-energiequellen-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geab.eu\/de\/fahrplan-fuer-die-energiequellen-der-zukunft\/","title":{"rendered":"Fahrplan f\u00fcr die Energiequellen der Zukunft"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li><strong>Die Energiewelt rekonfiguriert sich weiter mit all dem bekannten Knirschen \u00bb &#8211; Ausz\u00fcge aus dem<\/strong> <a href=\"https:\/\/geab.eu\/de\/magazine\/geab-141\/\"><strong>GEAB 141, 01\/2020<\/strong><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong>(\u2026)<strong> \u201eEnergie: Das neue Energie-\u201cGewebe\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Energiewelt rekonfiguriert sich weiter mit all dem bekannten Knirrschen, das verbunden ist mit dem Streben der gro\u00dfen Akteure nach Autarkie\/Energiesicherheit, der Diversifizierung von Akteuren und Energien und der Errichtung neuer Einflussnetzwerke (zum Beispiel kann Israel, das seine Autarkie nun gesichert hat, seine \u00dcbersch\u00fcsse nutzen, um sein Netz der Interdependenzen zu weben: Gaspipeline Israel-\u00c4gypten \u2026). Es ist vor allem die Neugewichtung \u00d6l-Gas, die neue Akteure und Allianzen erzwingt, da die gro\u00dfen Gasproduzenten nicht mit den gro\u00dfen \u00d6lproduzenten identisch sind \u2026 und in der \u201eanderen Welt\u201c angesiedelt sind (Russland und der Iran verf\u00fcgen derzeit \u00fcber die beiden gr\u00f6\u00dften Gasreserven der Welt). Das Jahr 2019 endet mit einem durchschlagenden Misserfolg f\u00fcr die Vereinigten Staaten, die 2014 darauf hoffen konnten, dass sich Europa und Russland \u201edank\u201c der Ukraine-Krise voneinander abschneiden. Vier Jahre sp\u00e4ter sind es nicht mehr eine Gasleitung, sondern drei, die Europa mit russischem Gas versorgen. Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende und das teilweise Scheitern der amerikanischen Strategie zur Schaffung von transatlantischen Energieverbindungen k\u00f6nnte 2020 zu neuen Ersch\u00fctterungen f\u00fchren. Ganz zu schweigen von den anderen Schlachten, die an dieser Front in anderen Teilen der Welt geschlagen werden.\u201c<\/p>\n<ul>\n<li><strong>\u00ab Energie 2020-2050: Die Klimakonferenz COP26 muss den Weg in eine intelligente Energiezukunft aufzeigen \u00bb &#8211; Ausz\u00fcge aus dem<\/strong> <a href=\"https:\/\/geab.eu\/de\/magazine\/geab-146\/\"><strong>GEAB 146, 06\/2020\u00a0<\/strong><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><strong>(\u2026) \u00dcberbr\u00fcckung zu erneuerbaren Energien<\/strong><\/p>\n<p>Viele erneuerbare Energiequellen haben eine dramatische Steigerung sowohl ihrer Kosteneffizienz als auch ihres Nutzungsgrades in Industrie- und Entwicklungsl\u00e4ndern erfahren. Die europ\u00e4ischen L\u00e4nder haben besonders gut abgeschnitten, wobei einige ihr Ziel f\u00fcr 2020 im Jahr 2018 \u00fcbertroffen haben. Trotzdem k\u00f6nnen solche Quellen nur einen kleinen Teil unseres Gesamtenergiebedarfs liefern und sie decken nicht einmal unseren steigenden Strombedarf \u2013 au\u00dfer an den sonnigsten oder windigsten Tagen! Es gibt auch Fragen bez\u00fcglich der langfristigen Umweltauswirkungen einiger \u201egr\u00fcner\u201c Energieprojekte. In den letzten Jahren wurden Fragen der Waldrodung, der Verschmutzung bei ihrem Bau und der schlechten langfristigen Haltbarkeit aufgeworfen.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Periode, in der die Entwicklung von nachhaltigeren Projekten vorangetrieben wird, werden sich die L\u00e4nder auf die etablierte thermische Gaserzeugungskapazit\u00e4t und die verbleibenden Kernreaktoren f\u00fcr die \u201eGrundlast\u201c verlassen m\u00fcssen. (\u2026)<\/p>\n<p>(\u2026) Es ist eine traurige, aber unbestreitbare Tatsache, dass Europa ohne diese alternativen Energiequellen mit hoher Kapazit\u00e4t und niedrigem Kohlendioxidaussto\u00df zumindest mittelfristig sowohl f\u00fcr die Heizung der Haushalte als auch f\u00fcr die Stromerzeugung von Erdgas abh\u00e4ngig bleiben wird. F\u00fcr Nationen wie Deutschland ruft diese Bindung an fossile Brennstoffe sowohl in der \u00d6ffentlichkeit als auch in der Politik weiterhin Widerstand hervor. Dies ist besonders heikel, da es eine politisch umstrittene Abh\u00e4ngigkeit von russischem Gas, dessen Lieferung durch die kontrovers diskutierte Nordstream 2-Pipeline demn\u00e4chst stark erh\u00f6ht werden soll, fortbestehen l\u00e4sst. Hier m\u00fcssen wir also darauf vertrauen, dass eine starke politische F\u00fchrung ein Umfeld aufrecht erhalten wird, das f\u00fcr diese Br\u00fcckentechnologien f\u00f6rderlich ist, auch wenn unser \u00fcbergeordnetes Ziel darin bestehen muss, zu weniger umstrittenen und lokaleren Alternativen \u00fcberzugehen. Ein intelligenter Energieplan kann den L\u00e4ndern dabei helfen, den derzeitigen R\u00fcckgang der Energienachfrage auszuweiten und die Wirtschaft auf der Basis von lokalen, nachhaltigen L\u00f6sungen neu zu starten, ohne dass es zu einer R\u00fcckkehr zum Prinzip von \u201eEnergie auf Abruf\u201c kommt. (\u2026)<\/p>\n<p><strong>(\u2026)<\/strong> <strong>Sturmwolken am Horizont<\/strong><\/p>\n<p>Neue Produkte und L\u00f6sungen halten st\u00e4ndig Einzug in unsere Energiewirtschaft. Auch haben sich in den letzten Jahren viele gro\u00dfe \u00d6lkonzerne ein neues Profil gegeben, in alternative Energien investiert und sich als Anbieter von zuk\u00fcnftigen Energieformen neu positioniert. Jedoch haben diese Konzerne dabei manchmal viele kleinere Unternehmen im Bereich von alternativen Energien \u201eaufgekauft\u201c und mit ihnen die Patente f\u00fcr m\u00f6gliche zuk\u00fcnftige Formen der Energieerzeugung. Sollten einige dieser (inzwischen hoch verschuldeten) Unternehmen aufgrund unseres pl\u00f6tzlichen, unvorhergesehenen Zusammenbruchs der \u00d6lnachfrage ins Wanken geraten, dann wird sich dies m\u00f6glicherweise negativ auf den gesamten Energiemarkt auswirken \u2013 und auf die alternativen Energiequellen, an denen sie arbeiten. Sollte dies geschehen, dann m\u00fcssen wir hoffen, dass die Regierungen einschreiten, eine Kontrollbeteiligung \u00fcbernehmen und es diesen Technologien erm\u00f6glichen, ihren Platz im neuen System zu finden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend eine solcher Schlag gegen \u201eBig Oil\u201c schon lange angek\u00fcndigt ist und viele der kleineren, \u00fcberm\u00e4\u00dfig fremd-finanzierten F\u00f6rderunternehmen dies tats\u00e4chlich nicht \u00fcberleben werden, verf\u00fcgen die meisten der gr\u00f6\u00dferen, breit aufgestellten Unternehmen derzeit sowohl \u00fcber die finanziellen Mittel als auch \u00fcber den Zugang zu neuem Kapital, um den gegenw\u00e4rtigen Sturm zu \u00fcberstehen.\u00a0(\u2026)<\/p>\n<p><strong>(\u2026)<\/strong> <strong>Neue Technologie hat ihren Preis<\/strong><\/p>\n<p>In j\u00fcngster Zeit lag der Fokus bei den Bestrebungen f\u00fcr einen saubereren Verkehr auf Elektrofahrzeugen, was die Dringlichkeit von besseren Batterien und einer internationalen Einf\u00fchrung der notwendigen Ladeinfrastruktur in den Vordergrund bring. Diese beiden Kernanforderungen f\u00fcr eine saubere Energiezukunft haben jedoch ihre eigenen Umweltprobleme. Lithium f\u00fcr Batterien ist ziemlich selten, schwierig abzubauen und bei seiner Herstellung stark umweltverschmutzend, w\u00e4hrend die Installation angemessener Schnellladepunkte auf nationaler Ebene gro\u00dfe Investitionen in Tankstellen erfordern wird und Starkstrom-Versorgungen dort, wo es diese bisher nicht gab. Hinzu kommt, dass die Produktion von sauberem Strom gesteigert werden muss, wenn der Kohlenstoff-Fu\u00dfabdruck des Kraftstoffs vollst\u00e4ndig beseitigt werden soll<a name=\"_ftnref32\"><\/a>. (\u2026)<\/p>\n<p><strong>(\u2026) Wer wird den zuk\u00fcnftigen Energiedeal finanzieren?<\/strong><\/p>\n<p>Auch gibt es nach wie vor erhebliche Probleme bei der Finanzierung vieler der innovativsten und potenziell bahnbrechendsten Entwicklungen im Bereich der gr\u00fcnen Energie, entweder privat (Startups oder Forschungsprojekte von Gro\u00dfunternehmen<a name=\"_ftnref34\"><\/a>) oder durch Regierungsma\u00dfnahmen. In solchen F\u00e4llen ist der Zugang zu zus\u00e4tzlichem Kapital durch Private Equity oder Anleihenverk\u00e4ufe sehr wichtig. Der j\u00fcngste Einbruch der Anleihekurse auf risikoreicheren Energiem\u00e4rkten (\u00d6lschiefer)<a name=\"_ftnref35\"><\/a> und ein allgemeiner Mangel an Liquidit\u00e4t auf den M\u00e4rkten verhei\u00dfen nichts Gutes f\u00fcr diese Investitionsm\u00f6glichkeiten mit hohem Risiko und hoher Rendite<a name=\"_ftnref36\"><\/a>. Ein klarer Plan der EU oder anderer Institutionen kann dazu beitragen, die M\u00e4rkte zu stabilisieren und ein nachhaltiges Investitionsniveau zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Die Corona-Virus-Krise des Jahres 2020 k\u00f6nnte genau das sein, was wir brauchen, um unsere intelligente Energiezukunft in Gang zu bringen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir aus einem weltweiten Lockdown herauskommen, will die EU ihre f\u00fcr den Green Deal vorgesehenen Mittel als Starthilfe f\u00fcr die verarbeitenden Industrie und dem Einzelhandel verwenden. Investitionen in Recycling, lokale Produktion, erneuerbare Energien, die Modernisierung von Wohnimmobilien und die Entwicklung der Infrastruktur, die f\u00fcr die massenhafte Nutzung von Elektrofahrzeugen erforderlich ist, werden den Kern des 750 Milliarden Euro (824 Milliarden Dollar) schweren Konjunkturprogramms bilden, das die <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/quote\/0629846D:BB\">Europ\u00e4ische Kommission<\/a> vorgestellt hat<a name=\"_ftnref37\"><\/a>. Gleichzeitig werden die COVID-19-Sch\u00e4den in Form von Konkursen, Fusionen und Konsolidierung innerhalb vieler \u201ehigh-carbon\u201c Industrien (wie z.B. Fluggesellschaften) dazu f\u00fchren, dass diese schlanker und potenziell innovationsfreudiger werden. Die staatliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr viele national wichtige Fluggesellschaften<a name=\"_ftnref38\"><\/a>, Energie- und Infrastrukturunternehmen wird den Regierungen der Staaten den n\u00f6tigen Einfluss verschaffen, um den \u00f6kologischen Wandel Realit\u00e4t werden zu lassen.<\/p>\n<p>Der \u201eGreen Deal\u201c wird einen Schritt in Richtung einer energieeffizienteren Welt darstellen, insbesondere durch die Modernisierung \u00e4lterer H\u00e4user und die Installation von inl\u00e4ndischen Klein-Projekten zur Energieerzeugung. Aber der Kampf um eine kohlenstoffneutrale Wirtschaft bis 2050 wird im Verkehr gewonnen oder verloren! Die Gesetzgebung f\u00fcr die massenhafte Einf\u00fchrung von Elektrofahrzeugen hat einen Anfang gemacht, aber wir werden das Vertrauen der \u00d6ffentlichkeit in die Reichweite und Nachhaltigkeit von Elektrofahrzeugen noch steigern m\u00fcssen. Die Menschen m\u00fcssen das Gef\u00fchl haben, dass sie den Wandel vorantreiben, und die Klimakonferenz COP26 wird eine wichtige Gelegenheit f\u00fcr die Welt sein, die potenziellen L\u00f6sungen zu sehen \u2013 und nicht nur die Probleme!<\/p>\n<p><strong>Es ist unsere Zukunft<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen einen Paradigmenwechsel in unserer pers\u00f6nlichen, staatlichen und unternehmerischen Reaktion auf die gr\u00fcne Agenda antizipieren und auf ihn hinarbeiten. Unsere Regierungen k\u00f6nnen es nicht l\u00e4nger dem Eigeninteresse gro\u00dfer Unternehmen und dem Gewinnpotenzial von Emissionsgutschriften \u00fcberlassen, den notwendigen nachhaltigen Wandel herbeizuf\u00fchren. Sie haben sich zu sehr auf den Emissionshandel konzentriert, anstatt eine neue Vision eines geringeren Energieverbrauchs und einer umweltfreundlicheren Energiegewinnung zu entwickeln. Dies hat dazu gef\u00fchrt, dass sie es vers\u00e4umt haben, die notwendige Modernisierung unserer Infrastruktur herbeizuf\u00fchren: Vor allem schnelle Bahnverbindungen, umweltfreundliche \u00f6ffentliche Verkehrsmittel und eine europaweite Elektrolade-Infrastruktur.<\/p>\n<p>Es ist an der Zeit, dass die Menschen die Agenda bestimmen, einen Post-Covid-19-\u201eMarschallplan\u201c durch eine neue gesellschaftspolitische Dynamik. Dies wird notwendig sein, um sicherzustellen, dass der Fokus auf eine reduzierte Energienachfrage \u2013 also eine sparsame Energiewirtschaft \u2013 neben dem Green Deal auf die Tagesordnung der Klimakonferenz COP26 gesetzt wird. Und f\u00fcr die Realisierung m\u00fcssen unsere Regierungen bereit sein, die europ\u00e4ische Produktionsbasis auf diese neue, intelligente, kohlenstoffarme Wirtschaft umzulenken. Wir alle werden unseren Teil dazu beitragen m\u00fcssen, dass dies geschieht, zum Wohle unserer Welt und unserer Kinder.\u201d<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Diversifizierung <\/strong><strong>: neue \u00ab\u00a0game-changer\u00a0\u00bb &#8211; Ausz\u00fcge aus dem<\/strong> <a href=\"https:\/\/geab.eu\/de\/energie-rohstoffe-wird-es-fuer-alle-reichen\/\"><strong>GEAB 155, 05\/2021<\/strong><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><strong>\u201cEisenerz 2026: Guinea im Zentrum der Entstehung eines neuen Marktes\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Der Preis des nach \u00d6l am meisten gehandelten Rohstoffs steigt in die H\u00f6he. In einer Zeit der Konjunktur- und Infrastrukturpl\u00e4ne, in einer sch\u00f6nen Versinnbildlichung des Trends \u201ezur\u00fcck zu den harten Realit\u00e4ten\u201c, ist Eisenerz das Objekt der Begehrlichkeiten. W\u00e4hrend einige etablierte Interessengruppen es vorziehen, ihre Margen zu optimieren, indem sie die Preise steigen lassen, arbeiten andere daran, den Markt zu \u00f6ffnen, indem sie neue Abbaugebiete erschlie\u00dfen. Alles scheint sich um Westafrika zu drehen. Genauer gesagt um Guinea, das \u00fcber das gr\u00f6\u00dfte unerschlossene Vorkommen der Welt verf\u00fcgt: Simandou<a name=\"_ftnref2\"><\/a>.<\/p>\n<p>Bis 2026 sollte sich das \u00e4ndern. Je n\u00e4her diese Aussicht r\u00fcckt, desto volatiler entwickeln sich die Preise \u2013 bevor sie sich am Ende stabilisieren werden. (\u2026)<\/p>\n<p><strong>(\u2026) Diversifizierung der chinesischen Lieferanten<\/strong><\/p>\n<p>Chinesische Stahlunternehmen m\u00fcssen daher ihre Eisenerzlieferanten diversifizieren.<\/p>\n<p>Als Vorbemerkung zu diesem Absatz sei angemerkt, dass China im Jahr 2019 69% des gesamten weltweit gef\u00f6rderten Erzes aufgekauft hat! Knapp dahinter finden wir Japan mit 7,5%\u2026 Eine Zahl, die einem den Kopf verdreht und viel \u00fcber die Zentralit\u00e4t der chinesischen Produktionsmaschine im globalen Ma\u00dfstab aussagt. Wenn Deutschland die industrielle Basis Europas ist, dann ist China die industrielle Basis der Welt, die nun versucht, sich von dieser einfachen L\u00f6sung zu distanzieren\u2026<\/p>\n<p>Dies ist bisher aber nicht geschehen: Zwischen 2019 und 2020 ist der Eisenerzbedarf Chinas um 9,5% auf 1,17 Mrd. Tonnen gestiegen und in 15 Jahren sind die Gesamtimporte von 300 Millionen Tonnen auf 1,1 Milliarden gestiegen.<\/p>\n<p>Aktuell kommen neben den 62% aus Australien 17% aus Brasilien, 4,4% aus S\u00fcdafrika (ein Plus von 1,2% gegen\u00fcber 2019), 3,7% aus Indien (+88% gegen\u00fcber 2019), 2,2% aus der Ukraine (+100% gegen\u00fcber 2019)\u2026<\/p>\n<p>Aber diese Importe erz\u00e4hlen nicht die ganze Geschichte. Auch China produziert 15-20% seines Bedarfs im eigenen Land. Und angesichts der Verschlechterung der Beziehungen zu Australien fordern dessen Stahlwerke erneute Investitionen in den Aufbau von Produktionsst\u00e4tten. Aber das chinesische Eisenerz ist nicht von sehr guter Qualit\u00e4t. Auch aus Gr\u00fcnden des heimischen Umweltschutzes ist es daher notwendig, sich anderswo umzusehen.<\/p>\n<p>Die Importe aus Indien haben sich zwar fast verdoppelt, aber auch hier handelt es sich um minderwertige Erze. Abgesehen davon hat China im Moment keine gro\u00dfe Auswahl und einige Stahlwerke ziehen es angesichts der sehr hohen Preise wahrscheinlich vor, mindere Qualit\u00e4t zu kaufen. Und dann machen es die von den USA und ihrer Quad-Strategie gesch\u00fcrten Kriegsrisiken zwischen den beiden L\u00e4ndern relevant, die indisch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Was Brasilien betrifft, so k\u00e4mpft das Land damit, mehr zu liefern, da die Pandemie seine Humanressourcen und Produktionskapazit\u00e4ten beeintr\u00e4chtigt hat. Und das Land erholt sich schlecht von dem Dammbruch in Brumadinho im Jahr 2019, der zur Schlie\u00dfung mehrerer Minen f\u00fchrte. Au\u00dferdem sollte die mangelnde Vertrauensw\u00fcrdigkeit des Landes unter dem extrem auf den Westen fokussierten Pr\u00e4sidenten Bolsonaro die Chinesen nicht dazu ermutigen, zu viel auf das Land zu setzen.<\/p>\n<p>Die russischen Erzimporte sind nat\u00fcrlich gestiegen (+62% zwischen 2018 und 2019), stellen aber immer noch einen sehr kleinen Teil des chinesischen Bedarfs dar (1,7 Mio. Tonnen).<\/p>\n<p>Am Rande sei auf die Bedeutung des BRICS-Projekts allein aus der Sicht dieses Sektors hingewiesen.<\/p>\n<p><strong>Der guineische \u201egame changer\u201c<\/strong><\/p>\n<p><em>Um eines klarzustellen: die Diversifizierungsstrategien sind noch weit davon entfernt, die chinesischen K\u00e4ufe von australischem Erz zu reduzieren. Es geht allenfalls darum, 1. einen Spielraum f\u00fcr Preisverhandlungen zu gewinnen und 2. den gestiegenen Bedarf anders als allein durch die australische Produktion zu decken. Au\u00dferdem ist die chinesisch-australische Interdependenz \u2013 wie im Falle Indiens \u2013 a priori eine Garantie f\u00fcr den regionalen Frieden.<\/em><\/p>\n<p>Guinea beherbergt die weltweit gr\u00f6\u00dften unerschlossenen Reserven an hochwertigem Eisenerz (65% Eisen) in der Gegend von Simandou im Landesinneren. Potenziell kann die Region bis zu 150 Millionen Tonnen pro Jahr produzieren, was 7% der Weltproduktion entspricht. Dadurch d\u00fcrfte der Preis auf Werte sinken, die mit den wirtschaftlichen Zw\u00e4ngen besser vereinbar sind: Einige Analysten sagen voraus, dass der Preis pro Tonne von derzeit 220 USD auf 40 oder 50 USD fallen k\u00f6nnte\u2026<\/p>\n<p>Es ist kein Zufall, dass diese Ressourcen nicht ausgesch\u00f6pft werden. Es steht viel auf dem Spiel und die beteiligten Akteure sind \u00fcberm\u00e4chtig. Die gro\u00dfen <em>Majors <\/em>(die brasilianische Firma Vale, die anglo-australische Rio Tinto, die israelische BSGR, die australische Fortescue,\u2026) drehen alle ihre Runden um Simandou, aber wenn einige von der Verlockung des Gewinns angezogen werden, haben (hatten) andere vor allem das Ziel, die Ausbeutung der Vorkommen zu bremsen, und ziehen es vor, die Preise steigen zu sehen.<\/p>\n<p>Fast 20 Jahre lang schienen die Aussichten inmitten eines Sturms von Korruption und verschiedenen Gesch\u00e4ften tr\u00fcbe. Aber die guineische Regierung versucht, die Kontrolle \u00fcber die verschiedenen Lizenzen zur\u00fcckzugewinnen, die sie \u2013 bis vor kurzem ergebnislos \u2013 mit diesen gro\u00dfen Konzernen abgeschlossen hatte.<\/p>\n<p>Seit einiger Zeit scheint dies zu gelingen, vor allem durch die Einbindung internationaler Gruppen wie dem SMB Winning Consortium (Singapur, China, Frankreich, Guinea), das Ende 2019 eine Ausschreibung \u00fcber 14 Mrd. USD f\u00fcr die Erschlie\u00dfung der Simandou-Bl\u00f6cke 1&amp;2 (die Sch\u00fcrfrechte von Simandou sind in 4 Bl\u00f6cke aufgeteilt) gewonnen hat. Die Bl\u00f6cke 3&amp;4 sind jedoch zu 45% im Besitz von Rio Tinto (UK-AUS), aber auch zu 40% im Besitz von Chinalco (CN) und zu 15% im Besitz der guineischen Regierung. Hinter diesen Erschlie\u00dfungswegen steht vor allem die chinesische Gruppe Baowu, die erste Stahlraffinerie Chinas, die versucht, ein Konsortium aus Stahlwerken und Finanzinstituten zusammenzustellen, um 6 Mrd. USD in das Entwicklungsprojekt von Simandou zu investieren.<\/p>\n<p>Im Juni 2020 unterzeichnete SMB-Winning eine Vereinbarung mit den guineischen Beh\u00f6rden, um 72 Monate sp\u00e4ter, im Juni 2026, mit der Kommerzialisierung zu beginnen. Die guineische Regierung hofft, dass die Aktivierung der Bl\u00f6cke 1&amp;2 Druck auf Rio Tinto in den Bl\u00f6cken 3&amp;4 aus\u00fcben wird, da sie wei\u00df, dass die Minderheitsaktion\u00e4re (Chinalco und die guineische Regierung) zusammen eine Mehrheit (55%) bilden, die in der Lage ist, in diese Richtung zu dr\u00e4ngen. Ein weiterer Grund f\u00fcr Rio Tinto, das Ausbremsen von Simandou zu beenden, ist die faktische Begrenzung der globalen Eisenerzproduktion, die die Preise \u00fcber das f\u00fcr den Sektor vorteilhafte Ma\u00df hinaus treibt, indem sie die industrielle Dynamik zu brechen droht.<\/p>\n<p>Da die Nachfrage nach Stahl in der Post-Covid-Welt explodiert, ist es wahrscheinlich an der Zeit, neue Standorte zu er\u00f6ffnen\u2026 auch aus Sicht der etablierten Interessen. Dennoch stellen wir wieder einmal die L\u00fccke zwischen den Bed\u00fcrfnissen (heute) und den L\u00f6sungen (in 5 Jahren) fest. Aber in 5 Jahren kann viel passieren; die finanziellen Vorkehrungen sind noch lange nicht abgeschlossen; die Er\u00f6ffnung neuer Standorte wirft mehr denn je Fragen \u00fcber die \u00f6kologische Nachhaltigkeit einer solchen Industriemaschine auf; und der Handelskrieg zwischen China und dem Westen tobt. Simandou ist ein potenzieller <em>game changer<\/em>, der noch best\u00e4tigt werden muss.<\/p>\n<p><strong>Eine zunehmend chinesische Welt<\/strong><\/p>\n<p>Wenn sich Simandou nicht \u00f6ffnet, werden ein oder mehrere Kontinente die (Re-)Industrialisierungspfade verlassen m\u00fcssen, bis Materialien und industrielle\/wirtschaftliche Modelle erfunden und entwickelt werden, die mit der Realit\u00e4t der verf\u00fcgbaren Ressourcen besser vereinbar sind.<\/p>\n<p>Wenn sich Simandou \u00f6ffnet und einen Anstieg der weltweiten Eisenerzproduktion um 7 % erm\u00f6glicht, kann das alte Industriemodell noch eine Zeit lang fortbestehen, w\u00e4hrend der \u00dcbergang zu den im vorigen Absatz erw\u00e4hnten Materialien und Modellen vollzogen wird.<\/p>\n<p>Im zweiten Fall wird Simandou eine weitere Konsequenz haben, n\u00e4mlich den Einzug der Chinesen in die kleine, sehr westliche Welt der Bergbaukonzerne zu beschleunigen. Bisher mussten die chinesischen Stahlunternehmen jede Erh\u00f6hung der Erzpreise hinnehmen, aber jede Erh\u00f6hung des Eisenpreises um 10 USD kostet die Chinesen 10 Milliarden USD (da sie mehr als 1 Milliarde Tonnen pro Jahr kaufen). China kann es sich daher nicht leisten, den Schwankungen auf den Rohstoffm\u00e4rkten in den H\u00e4nden eines Westens ausgeliefert zu sein, der ihm offiziell feindlich gesinnt ist\u2026 und der m\u00f6glicherweise auf seine Passivit\u00e4t z\u00e4hlt, um seine Schulden auf diese Weise zu refinanzieren (Baosteel ist z.B. der Ansicht, dass der Anstieg der Erzpreise weniger die Realit\u00e4ten von Angebot und Nachfrage widerspiegelt als vielmehr spekulative Praktiken).<\/p>\n<p>Im Jahr 2012 kaufte China \u00fcber die Hongkonger B\u00f6rse die London Metal Exchange. Aber Johnsons Post-Brexit-Gro\u00dfbritannien ist wahrscheinlich kein guter Ort mehr f\u00fcr den Handel mit strategischen Rohstoffen f\u00fcr die chinesische Wirtschaft, die wahrscheinlich danach strebt, die gro\u00dfen internationalen Handelszentren n\u00e4her an das eigene Land zu verlegen. Die Krise an der Londoner Metallb\u00f6rse im Zusammenhang mit der Schlie\u00dfung ihres Auktionsmarktes (dem ber\u00fchmten \u201eRing\u201c) k\u00f6nnte etwas damit zu tun haben\u2026 das legt jedenfalls der Evening Standard nahe.<\/p>\n<p>In der Tat hat China 2018 seine ersten Futures-Kontrakte f\u00fcr den Kauf von Eisenerz an der Hafenb\u00f6rse Dalian (CN) f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investoren ge\u00f6ffnet und Dalian damit als direkten Konkurrenten zu London positioniert. Seitdem hat der australische <em>Gro\u00dfkonzern<\/em> BHP vor genau einem Jahr seinen ersten Eisenerzverkauf in Yuan get\u00e4tigt. Im November 2019 hatte das brasilianische Unternehmen Vale das gleiche getan. Fortescue im August 2020.<\/p>\n<p>Simandou, London-Dalian, Eisenerzk\u00e4ufe in Yuan,\u2026 nach und nach baut der Vogel sein Nest.\u201c<\/p>\n<p><strong><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-134436 lazyload\" data-src=\"https:\/\/geab.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geab-ete-fig5.png\" alt=\"\" width=\"482\" height=\"267\" data-srcset=\"https:\/\/geab.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geab-ete-fig5.png 482w, https:\/\/geab.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geab-ete-fig5-366x204.png 366w\" data-sizes=\"(max-width: 482px) 100vw, 482px\" src=\"data:image\/svg+xml;base64,PHN2ZyB3aWR0aD0iMSIgaGVpZ2h0PSIxIiB4bWxucz0iaHR0cDovL3d3dy53My5vcmcvMjAwMC9zdmciPjwvc3ZnPg==\" style=\"--smush-placeholder-width: 482px; --smush-placeholder-aspect-ratio: 482\/267;\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Abbildung\u00a0 &#8211; Der Standort Simandou in der Waldregion Guineas. Quelle: BNE<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #3366ff;\">Guinea Version 2024<\/span><\/p>\n<p>Wie vom GEAB antizipiert, wird sich die Situation eines Landes, das \u00fcber zahlreiche unerschlossene Lagerst\u00e4tten verf\u00fcgt, bis 2025\/2026 grundlegend \u00e4ndern. Das gemeinsame Bergbauprojekt Simandou, das im Februar 2024 vom Nationalen \u00dcbergangsrat Guineas genehmigt wurde<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, hat gerade gr\u00fcnes Licht erhalten<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> und wird voraussichtlich Ende 2025 in Betrieb gehen<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. Sein Betrieb soll eine Jahresproduktion von 120 Millionen Tonnen (bei voller Kapazit\u00e4t) erreichen, was mehr als 7% des weltweiten Warenhandels mit Eisen entspricht<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>. Neben der Produktion geht es auch um den Transport und die Seefracht. Diese werden von der <em>Compagnie du TransGuin\u00e9en (CTG)<\/em> &#8211; einem Konsortium aus <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Rio_Tinto_(corporation)\">Rio Tinto<\/a> (australisch-britischer Konzern, dessen Hauptaktion\u00e4r jedoch <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Aluminum_Corporation_of_China_Limited\">Chinalco<\/a> ist) und <a href=\"https:\/\/wcsglobal.com\/en\/\">Winning Consortium Simandou<\/a> (chinesisches Unternehmen) &#8211; ausgef\u00fchrt. Es ist leicht zu erkennen, in welche Richtung sich das Gleichgewicht verschiebt.<br \/>\n_____________<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Quelle: <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/markets\/commodities\/guinea-approves-joint-development-deal-simandou-iron-ore-project-2024-02-04\/\">Reuters<\/a>, 04\/02\/2024<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Quelle: <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/africa\/rio-tintos-african-iron-ore-project-receives-all-necessary-approvals-2024-07-16\/\">Reuters<\/a>, 16\/07\/2024<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Quelle: <a href=\"https:\/\/www.scmp.com\/news\/china\/diplomacy\/article\/3264037\/mega-simandou-iron-ore-project-guinea-start-production-next-year\">SCMP<\/a>, 24\/05\/2024<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Quelle: <a href=\"https:\/\/www.mining.com\/rio-tinto-ready-to-build-simandou-after-almost-30-years-of-setbacks\/\">Mining<\/a>, 16\/07\/2024<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Energiewelt rekonfiguriert sich weiter mit all dem bekannten Knirschen \u00bb &#8211; Ausz\u00fcge aus dem GEAB 141, 01\/2020 (\u2026) \u201eEnergie: Das neue Energie-\u201cGewebe\u201c Die Energiewelt rekonfiguriert sich weiter mit all dem bekannten Knirrschen, das verbunden ist mit dem Streben der gro\u00dfen Akteure nach Autarkie\/Energiesicherheit, der Diversifizierung von Akteuren und Energien und der Errichtung neuer Einflussnetzwerke [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[107],"tags":[],"class_list":["post-134484","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-teleskop"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.8 - 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