2016 – Alarm für den Dollar, Finanzkrise, Öl, Banken … Großer globaler strategischer Rückzug vor der unmittelbar bevorstehenden harten Landung

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Unser Team hat sich dazu entschieden, das Jahr 2016 unter den Begriff  “großer strategischer Rückzug“ zu stellen, ein Rückzug, der sich auf alle Ebenen des sozialen Körpers auswirken wird. Und das wird ganz sicher mit der nationalstaatlichen Ebene beginnen, aber nicht allein.

Dieser Rückzug wird 2016 noch nicht das Ende der globalen Mobilität, des internationalen Austauschs oder des Internets bedeuten und die Welt wird dieses Jahr noch ein globales Dorf bleiben, aber die Mauern werden sich aufbauen, die Regulierungen sich durchsetzen, die Flüsse sich kontrollieren, die Armeen sich verstärken, die Märkte sich fragmentieren… all dies auf einer Basis, die nicht mehr international ist, weil das Scheitern der Reform der globalen Gouvernance offensichtlich ist, sondern auf der Grundlage der einzigen politischen Einheiten, die auf dem Markt verfügbar sind: Nationalstaaten, religiöse und ethnische Gruppen, bestimmte supra-nationale Organisationen, lokale Ebene.

Ende der großen globalen Orgie; jeder geht wieder nach Hause … mit einem guten Kater.

Und die weit offenen Türen werden sich Stück für Stück wieder schließen in einer neuen globalen Konfiguration, die sich gerade stabilisiert. Das Jahr 2015 sah große Veränderungen in den strategischen Allianzen. Das westliche Lager hat sich fragmentiert, bestimmte Teile haben sich sogar getrennt. Aber das Vertrauen begegnet den neuen Verbündeten noch nicht.

Hierfür bietet uns das beste Beispiel diese sehr großen Veränderungen des Gleichgewichts der Allianzen im Mittleren Osten. Für das „westliche Lager“, und Israel im Besonderen, ist der Feind nicht mehr der Iran, sondern Saudi-Arabien. Aber die Bewusstwerdung über diese Realität hat zu viel Zeit gebraucht: Saudi-Arabien und der militante Wahabismus sind losgelassen, weil das Vertrauen in den Iran immer noch nicht stabilisiert ist. Unter diesen Umständen ist die beste Lösung der Rückzug.

Europa ist in einer analogen Situation. Seine Schwierigkeiten mit Russland haben es von seiner östlichen Flanke abgeschnitten und selbst wenn derzeit Anstrengungen unternommen werden, um mit dem großen Nachbarn wieder neu anzufangen, ist der Schaden bezüglich des Vertrauens angerichtet. Auf seiner süd-südöstlichen Flanke bewegt sich der potentielle Partner, der die Türkei hätte sein müssen, wenn man mit ihm anders als durch seine Integration in die EU gearbeitet hätte, auf Wegen der radikalen Divergenz mit Europa. Was den Verbündeten par excellence, die Vereinigten Staaten, betrifft, gibt es in Europa nicht mehr viele, die eine positive Bilanz der transatlantischen Beziehungen in diesen letzten Jahren machen. Der gigantische Zufluss von Migranten, dessen Ziel Europa geworden ist in Folge von größeren strategischen Irrtümern, in die der Verbündete uns gezogen hat, sind der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, und die EU hat jetzt einen umfassenden Plan zur inneren Verstärkung in Angriff genommen. Rückzug.

Auch Japan hat sehr wohl verstanden, dass es nicht mehr auf die schwindende Macht der Vereinigten Staaten zählen kann, um sich zu verteidigen. Und es wird offensichtlich nicht bei China um Schutz bitten. China ist sicherlich ein wichtiger regionaler Akteur, aber die stürmische Vergangenheit zwischen den beiden Mächten und die mittelfristig relevanten Unsicherheiten über die chinesischen hegemonialen Ambitionen zwingen Japan, sein eigenes Verteidigungssystem wieder in die Hand zu nehmen.

Dieser strategische Rückzug, der begleitet wird von einer Explosion der militärischen Ausgaben mit schlechtem Vorzeichen, hätte verhindert werden können, wenn die großen westlichen Akteure, die einzig intelligente Rolle gespielt hätten, die ihnen zusteht: „Übergangshelfer“. Die G20 war für diese Sicht ein guter Versuch. Erinnern wir uns, es war eine europäische Initiative. Aber die Anstrengungen waren zu schwach und vor allem zu sehr blockiert von einem amerikanischen Establishment, das unfähig ist, die globalen Entwicklungen zu verstehen und zu ihnen positiv beizutragen.

Sicherlich gab es dieses große Jahr von Barack Obama, der es erreicht hat, dass er den Iran (und Kuba) in das internationale Spiel reintegrieren konnte. Aber all das kommt zu spät, ist zu wenig, zu sehr durchkreuzt von den wachsenden Spannungen und der sich vergrößernden Besorgnis.

Die Bedingungen sind nicht mehr gegeben, dass sich die multipolare Welt um dieselben Tische herum versammelt, um gemeinsam die großen globalen kollektiven Herausforderungen anzugehen. Das Vertrauen ist verschwunden. Sogar unter neuen Verbündeten: es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Hohe Pforte (die Türkei) und Mekka (Saudi-Arabien) in einer Nacht die besten Freunde der Welt geworden sind, tiefgreifend und haltbar. Versuche von Allianzen gegen die Natur von diesem Typ haben nicht geschworen, dass sie das Jahr 2016 überdauern. Und sie werden unvermeidlich begleitet sein von einem Prozess des Rückzugs der einen oder der anderen Seite.

Was Saudi-Arabien betrifft, auch hier, dieses Land hat viel zu tun in Bezug auf die interne soziale Stabilisierung, ohne zu berücksichtigen, dass es mehr und mehr gezwungen sein wird, sich zu desolidarisieren von den Monstern, wie Daesh, die seine sozialen Pathologien generiert haben.

Auch die BRICS werden sich dieses Jahr auf sich selbst konzentrieren. Brasilien ist nur noch für seine Probleme der internen Machtkämpfe, der versagenden Wirtschaft, der abwertenden Währung, der sozialen Hypersensibilität da. Das genügt, um festzustellen, dass seine Beiträge zu transnationalen Anstrengungen vom Typ BRICS, MERCOSUR, OAS, usw. dieses Jahr nicht signifikant sein werden.

China hat es gesagt und wiederholt: seine Priorität ist nicht mehr seine Handelsbilanz, sondern die Entwicklung seines Binnenmarktes, seiner Infrastruktur, seines sozialen Systems, usw.. Seine Wachstumspunkte sind also nicht mehr dazu da, das globale Wachstum zu ernähren. In dergleichen Bewegung beschäftigt es sich mit seinen Grenzen und dem Schutz seines Territoriums und investiert in die Modernisierung seines nationalen Verteidigungssystems. Und es ist nicht das, was Russland im Jahr 2014 passiert ist, das es davon abhalten wird, in diese Richtung zu gehen.

Indien ist für den Moment noch in der reinen Logik der Öffnung. Aber wir antizipieren, dass auch es im Jahr 2016 mehr Zurückhaltung zeigen wird. Seine Präsidentschaft der BRICS wird es das Ziel von einer großen Anzahl von Manipulationen von allen Seiten machen. Die Versuche von Modi, seine Außenbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten, Europa, China, Russland, Japan, Pakistan, … im Gleichgewicht zu halten, können gestoppt werden, wie die von Erdogan im Jahr 2011. Der indische Premierminister ist insbesondere gefangen in seiner Annäherung an Japan, gespeist von Hochgeschwindigkeitszügen, aber auch von anti-chinesischen Andeutungen, eine Klippe, die er zu Beginn seines Mandates noch klar als zu umschiffen identifiziert hatte. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass Indien 2016 eine sehr schwache BRICS-Präsidentschaft ableisten wird   (und es ihm damit nicht gelingt, sein integratives Potential, das wir vor einigen Monaten identifiziert haben, einzusetzen) und dass auch es daran gehen wird, sich prioritär auf seine soziale Organisation, sein Projekt der technologischen Innovation und sein Militärbudget zu konzentrieren. Rückzug.

Kommen wir einen Moment auf Europa zurück. Das ist wahrscheinlich die einzige Region der Welt, die sich auf etwas anderes zurückziehen wird als allein auf seine nationalstaatliche Ebene. Die Reaktivierung von Werkzeugen der nationalen Souveränität ist dabei, zu einem Zusammenspiel zu werden zwischen der nationalstaatlichen Ebene und der europäischen Ebene. Wir sprechen im Teil „Rauf und Runter“ dieser Ausgabe vom Schengen-Raum, von dem wir erwarten, dass er sich verstärkt und weit davon entfernt ist, schwächer zu werden … auf Antrag der Mitgliedstaaten. Dasselbe für das Projekt der europäischen Armee, die Vernetzung der nationalen Geheimdienste, usw.. Die Übertragung von Werkzeugen der Souveränität (Verwaltung der Grenzen, Armeen, Aufklärung, …) auf die europäische Ebene, in Übereinstimmung mit und auf der Basis der Mitgliedstaaten, ist dabei, der Trend für 2016 zu bleiben.

Es ist aus der Perspektive von LEAP betrüblich, dass sich die Phase der politischen Integration des Kontinents in einer Rückzugbewegung und nicht in einer demokratischen Aspiration realisiert. Das hat uns in der letzten Ausgabe dazu bewogen, zu antizipieren, dass Europa in eine neue dunkle Periode seiner Geschichte eintritt. Alle Bedingungen sind sehr sichtbar vereint.

Nur das Internet und die sehr große Transformation der sozialen Strukturen, die es bewirkt, erlauben es, zu hoffen, dass Europa (und die Welt) sehr schnell wieder austreten kann aus einer Phase der Abkapselung, die im 21. Jahrhundert auf lange Sicht unmöglich erscheint. Aber das Ferment des sozialen Chaos, dass das Establishment in diesem Werkzeug sieht, lässt uns befürchten, dass sich die „Internet Revolution“ in einen „Internet Terror“ im Lauf des Jahres 2016 transformiert: nicht mehr Werkzeug der Öffnung zur Welt für die Bürger, sondern Instrument im Dienste der Überwachung und der Propaganda durch die „Bewahrer der Ordnung“.

Das Thema des großen strategischen Rückzugs findet sich im Detail wieder im Rest dieser Ausgabe und insbesondere im jährlichen Panorama von „Rauf und Runter“ für dieses Jahr… für mehr, abonieren Sie.