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Perspectives
domino-fr Amerikanische Wahlen, Europa, Welt – Dominoeffekt des Siegs von D. Trump: Wird der Euro das Jahr 2017 überleben?

Der Sieg von Donald Trump bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen hat die Bedingungen für eine Veränderung geschaffen, aber es ist noch nicht die Veränderung, in Gegensatz zu dem, was die Medien und die Populisten glauben.

Weit davon entfernt, eine „Revolution“ zu sein, ist die Installierung Trumps an der Spitze des  Westens eine Zuspitzung der Ausgangssituation. Tatsächlich ist Trump das Symptom eines Westens, der es unterlassen hat, sich anzupassen[1], und der jetzt versuchen wird, seine Vorherrschaft zu bewahren durch reine Gewalt, die die Bürger und Nationen, die politische und ökonomische Gegenmodelle vorschlagen, im Visier hat. Deshalb wird sich die Methode verändern, doch die Ziele und die grundlegenden Prinzipien werden gleich bleiben.

Neben all den bleibenden Unsicherheiten, müssen wir jetzt die Herausforderungen verstehen, die das für den Rest der Welt bedeutet, insbesondere für die Eurozone. In gewissem Sinn könnten, wie wir es antizipiert haben, die Gelegenheiten für eine größere europäische Unabhängigkeit ergriffen werden, aber können sie das wirklich sein?

Geht der Dollar nach oben oder nach unten? Das Paradox der Zinsen

Wie wir wissen, ist es dem Euro nicht gelungen, seine Rolle als internationale Referenzwährung zu spielen, und er konnte im Gegenteil nur als Stütze des Dollars dienen. Man muss deshalb die Zukunft des Dollar kennen, um die des Euro zu antizipieren.

geab-109-fig1Abbildung 1 – Internationales Gewicht von US-Dollar, Euro und Yen, 1979-2014. Quelle: BIZ.

Während alle einen Absturz der Börsen und des Dollars im Fall eines Sieges von Trump erwarteten, ist das nicht passiert, im Gegenteil. Die Märkte gehen nach oben, weil das Programm des neu gewählten Präsidenten, wie vage es auch ist, eine Menge neuer Schulden erfordert[2], die Investitionen notwendig macht, die sich in den Finanzmärkten recyceln werden, d.h. ein neuer Zyklus von Quantitative Easing oder etwas ähnlichem und man weiß, das die amerikanischen Börsen davon stark profitieren.

geab-109-fig2Abbildung 2 – Entwicklung des Dow Jones für einen Monat, Anstieg nach der Wahl. Quelle: CNBC.

Die gleiche Logik hat dazu geführt, dass bei den amerikanischen Staatsanleihen die Zinsen anstiegen im Vorgriff auf das Angebot von reichlich Schulden, das Käufer finden wird, und auf die Inflation, die von der Implementierung protektionistischer Maßnahmen hervorgerufen werden wird. Dieser Anstieg der Zinsen erzeugt so einen Zufluss von Geld in Richtung der Vereinigten Staaten, die rentabler geworden sind, und stärkt den Dollar durch eine erhöhte Nachfrage.

Gewinnt also der Dollar, von dem man dachte, dass er verliert? Ist das kompatibel mit der Politik, die Trump machen will? Nicht wirklich. Mit mehr protektionistischen Hemmnissen wird der Handel zwischen den Vereinigten Staaten und dem Rest der Welt mechanisch nach unten gehen, und zu einer geringeren internationalen Verwendung des Dollar führen und deshalb zu dessen Abschwächung. Die Auswirkungen der Inflation, die wegen der Verteuerung der Importe vorhergesehen wird, ist für sich gesehen viel weniger klar: alles wird im Endeffekt von den Zinsen abhängen, die die erwartete Inflation mehr als kompensieren sollten, um Investoren anzuziehen. Und diese Zinsen sind schon seit langem nicht mehr dem freien Ermessen der Märkte überlassen, mindestens seit 2009 und insbesondere seit den Aktionen der Fed. Außerdem brauchen die Vereinigten Staaten einen schwachen Dollar, ... Lesen