US Verschuldung / Inflation: Die FED als Unterstützer von Trumps Zielen

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Anfang Februar gab es an den amerikanischen Börsen und in ihrem Gefolge an allen Weltfinanzmärkten eine heftige Korrektur. Der Dow-Jones-Index verlor seine Januargewinne in zwei Tagen und geriet in eine Abwärtsspirale. Seitdem ist die Finanzwelt vom Fieber befallen. Diese Korrektur hatte ihre eigene Dynamik, insbesondere aufgrund der Auswirkungen der neuen Volatilitätsderivate, jedoch war ihr Ausgangspunkt am 2. Februar die Veröffentlichung der Januartendenz des Anstiegs der Stundenlöhne, die um 2,9% angestiegen sind, nach 2,6% im Dezember[1]. Ein Anstieg, der den Markt eine geldpolitische Straffung befürchten ließ, die  in den USA schneller als erwartet eintritt und eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums zur Folge hat. Da nach neun Jahren einer anhaltenden Hausse – eine der längsten der Geschichte der Wall Street – wir jetzt eine Überbewertung des amerikanischen Marktes sehen[2], führt jede Abwärtskorrektur des Wachstums sofort zu massiven Gewinnmitnahmen.

Nachdem sie die Inflation lange herbeigesehnt haben, fürchten die Märkte sie jetzt. Oder vielmehr sie befürchten, dass sie eine beschleunigte geldpolitischen Straffung auslösen wird[3]. Diese Korrektur ist daher eine direkte Warnung an die  Adresse des neuen Präsidenten der amerikanischen Notenbank, Jerome Powell, der am 5. Februar Janet Yellen abgelöst hat[4] : Jede Absicht, die Normalisierung der Zinsen zu beschleunigen, könnte zu einem Börsencrash führen. Der Finanzsektor erkennt an, dass seine vergangen Euphorie vom billigen Geld abhängig ist und deshalb wird der neue Fed-Chef aufgefordert, die Poltitik von Janet Yellen fortzusetzen: die Normalisierung in gemäßigtem Tempo voranzubringen.

Jerome Powell unter dem Druck der „Falken“

Was wird Jerome Powell tun? Erst einmal wird er dem Druck der „Falken“ der Fed ausgesetzt sein. Denn eines der Hauptargumente für die Vorsicht von Janet Yellen verabschiedet sich gerade. Die Fed hat ein Doppelmandat: Garantie der Vollbeschäftigung und Stabilisierung der Inflation bei etwa 2%. Das erste Ziel scheint erreicht zu sein: Die Arbeitslosenquote von 4,1% ist in der Nähe ihrer historischen Tiefststände[5]. Jedoch führt diese Vollbeschäftigung kurzfristig noch nicht zu Preiserhöhungen. Die Inflation ist zwar im Dezember um 2,1% gestiegen, aber die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) blieb bei 1,8%. Und vor allem gab es immer noch keine Garantie dafür, dass die inflationäre Dynamik bis zum Einsetzen einer Preis-Lohn-Spirale anhält. Der Lohnanstieg blieb nämlich sehr moderat. Deshalb verlangsamte sich 2017 die Inflation stark und fiel zwischen Mai und August auf unter 2%[6].

Dies rechtfertigte in Janet Yellens Augen ihre Vorsicht. So gestand sie im November ihre „Ratlosigkeit“ über das Fehlen einer Lohn-Preis-Dynamik[7]. Und beim letzten, von ihr geleiteten Treffen des Offenmarktausschusses FOMC am 31. Januar blieb sie bei ihrer Position einer moderaten Zinserhöhung und erhielt die Unterstützung aller Mitglieder[8]. Sobald aber eine Lohndynamik auftaucht und  die niedrige Arbeitslosenquote zu höheren Löhnen führt, kann die Fed berechtigterweise annehmen, dass sich eine Lohn-Preis-Dynamik entwickelt. Die „Falken“ der Fed beginnen, sich offen für eine Beschleunigung der geldpolitischen Straffung einzusetzen. Bereits am 2. Januar warnte Neel Kashari, der Präsident der Federal Reserve von Minneapolis, dass „wenn der Lohnzuwachs anhält, sich das auf das Tempo der Zinserhöhungen auswirken könnte“[9]. Die Zinsen könnten auf der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed im März angehoben werden. Und auf dieser ersten, von Jerome Powell geleiteten Sitzung wird auch darüber entschieden werden, ob er eher der Kontinuität zuneigt oder zu den Falken gehört.

Die Fed wird weniger unabhängig

Der neue Fed-Präsident könnte sich jedoch weniger durch den Druck der Märkte oder der Falken definieren als durch den Grad der Unterstützung, die er der Wirtschaftspolitik Donald Trumps angedeihen lässt. Jerome Powell ist eindeutig „der Mann des Präsidenten“. Da er kein ausgebildeter Wirtschaftswissenschaftler, sondern Jurist ist, hatte er in der Theorie wenig Chancen auf den Vorsitz der wichtigsten Zentralbank der Welt[10]. Er ist erst seit 2012 Gouverneur der Fed und wird der erste Präsident der Federal Reserve seit 1979 sein, der kein Wirtschaftswissenschaftler ist. … Das zeigt, wie sehr die Wahl Donald Trumps durchschlägt, und wie stark die Dankbarkeit von Jerome Powell sein wird[11].

Diese Nominierung wurde bei ihrer Ankündigung im November als die einer Kontinuität zu Janet Yellen gefeiert. Jerome Powell hatte bei der Fed einen Ruf als gemäßigter Geldpolitiker[12]. Aber tatsächlich wurde Jerome Powell von Donald Trump nominiert, um seine Politik zu unterstützen. Der amerikanische  Präsident sparte während seines Wahlkampfs nicht mit Vorwürfen an die Fed. Später war er dezenter, lobte Janet Yellen sogar, hat sie aber trotzdem für eine zweite Amtszeit übergangen und so mit der Tradition gebrochen. Diese hat übrigens ihre Enttäuschung nicht verborgen und der Fed mit dem Ende ihrer Amtszeit den Rücken gekehrt[13]. Warum nicht Janet Yellen beibehalten, um die gleiche Politik fortzusetzen? Viele haben darin eine Meinungsverschiedenheit zwischen Donald Trump und Janet Yellen zur Frage der Regulierung gesehen. Das ist wahrscheinlich, aber es gab auch andere Meinungsverschiedenheiten, angefangen mit dem großen Plan zur Steuersenkung[14].

Mit Jerome Powell ist es daher sehr wahrscheinlich, dass die Unabhängigkeit der Fed weiter zurückgehen wird. Und paradoxerweise könnte sich dieser weitere Rückgang in einer Fortsetzung der Politik von Janet Yellen ausdrücken. Unmittelbar hat der amerikanische Präsident tatsächlich überhaupt kein direktes Interesse an steigenden Zinsen. Er hat versprochen, dass seine Wirtschaftspolitik – und vor allem seine Steuerpolitik – dieses Jahr zu einem Wachstum von 4% führt. Ein sehr ehrgeiziges Ziel und er muss, damit ihm dies gelingt, jede schnelle geldpolitische Straffung ausschließen. Umso mehr als seine Politik zu einer dramatischen Zunahme der amerikanischen Staatsschulden führen wird, nämlich um 1.500 Milliarden Dollar in zehn Jahren[15]. Um die realen Kosten dieses Defizits zu verringern, könnte der amerikanische Präsident die Realzinsen niedrig halten wollen…  Für mehr, GEAB 122

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[1]    Quelle: New York Times, 02/02/2018

[2]    Quelle: Forbes, 24/01/2018

[3]    Quelle: USA Today, 02/02/2018

[4]    Quelle: New York Times, 05/02/2018

[5]    Quelle: Reuters, 04/02/2018

[6]    Quelle: Bloomberg, 13/12/2017

[7]    Quelle: Reuters, 22/11/2017

[8]    Quelle: Bloomberg, 31/01/2018

[9]    Quelle: Wall Street Journal, 02/02/2018

[10]  Quelle: New York Times, 02/11/2017

[11]  Quelle: Morningstar, 03/11/2017

[12]  Quelle: Reuters, 07/11/2017

[13]  Quelle: Politico, 20/11/2017

[14]  Quelle: Bloomberg, 13/11/2017

[15]  Quelle: Wall Street Journal, 09/02/2018