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GEAB 122

Der monatliche Informationsbrief des Laboratoire européen d'Anticipation Politique (LEAP) - 15 Feb 2018

GEAB-Katastrophenüberblick – Kurz-Warnungen unseres Teams

In dieser kleinen Rubrik, gehen wir in der Form von Kurz-Warnungen auf die Risiken ein, die wir ansonsten im GEAB-Format nicht untersuchen können, aber vor denen wir unsere Leser warnen wollen.

Immer wieder Syrien

Das amerikanische Lager erschien einige Zeit neutralisiert und ließ dem russischen Lager freie Hand, um die Situation zu beruhigen. Es hat sich jetzt neu aufgestellt und ist jetzt umgeben von Ländern, deren Interessen es bereits vertritt. Alle versteckten Akteure des Kriegs in Syrien sind jetzt offen gelegt: auf der einen Seite die Vereinigten Staaten, Israel, Saudi-Arabien, Kurdistan und auf der anderen Seite Russland, der Iran, die Türkei, Palästina. Unter der der Deckung des gemeinsamen Kampf gegen ISIS finden sich die Feinde auf dem gleichen Gebiet wieder, vor allem um die Ölquellen herum (ISIS, Anhänger des Staates, Amerikaner, Russen, …). Israel wird das Spiel nicht verlassen und weigert sich bedingungslos, hinzunehmen, dass ein Iran-freundliches Regime den Korridor vom schiitischen Iran zum Mittelmeer entlang seiner ganzen Nordgrenze vervollständigt. Ohne zu berücksichtigen, dass eine offener Krieg es Israel erlauben wird, seinen Traum, die palästinensischen Bevölkerungen im Westjordanland loszuwerden, zu realisieren, da die Kriege, wie jeder weiß, die besten Gelegenheiten sind, um Vertreibungen durchzuführen. Die Türkei (übrigens weniger als der Irak und Syrien) wird die Etablierung eines kurdischen Ölstaates unter US Kontrolle nicht akzeptieren. Die Positionen erscheinen unvereinbar. Dieser Aufmarsch schafft jetzt die Bedingungen für direkte Kämpfe zwischen Russen und Amerikanern, zwischen Israelis und Iranern … Die Türkei und die Vereinigten Staaten (offiziell immer noch in der NATO verbündet) sind am Rande des Bruches. Die Gefahr einer Feuersbrunst ist maximal hoch[1]. Wir hoffen, dass dies den Willen zur Veränderung schafft, die notwendig ist, um die Basis für den „Neuen Nahen und Mittleren Osten“[2] zu legen, dessen Potential übrigens immer sichtbarer wird. Aber man muss heute an der Fähigkeit dafür zweifeln, dass diese Basis auf etwas anderem als einem schon fast vollendetem Ruinenfeld aufbauen könnte: der Nahe und Mittlere Osten ist im Krieg und das nicht erst seit heute; nur die nicht vorhandene mediale Berichterstattung über diesen schrecklichen Krieg, macht es möglich, dass wir nichts tun.

Aber auch das Rote Meer

Weniger bekannt ist, wie die Spannungen um das Rote Meer im Rahmen dessen, was wir den „Krieg der Meerengen“ nennen und dessen offensichtlichstes Opfer der Jemen ist, immer weiter steigen. Dieser Krieg der Meerengen ist mit den anscheinend bedingungslosen Ansprüchen Saudi-Arabiens nach der Kontrolle über die Durchfahrt durch das Rote Meer verbunden.

Abbildung 1 – Karte des Nahen und Mittleren Ostens

 

Im Jemen wird diese Kontrolle durch die Anwesenheit von 45% pro-iranischen Schiiten in Frage gestellt … daher kommt dieser Krieg. Aber auf der anderen Seite des südlichen Ausgangs des Roten Meers, der Meeresstraße Bab al-Mandab, liegt Dschibuti, wo China im August 2017 seine erste Militärbasis in der Region eingeweiht hat[3]. Aber heute scheinen sich die Beziehungen zwischen China und Dschibuti zu verschlechtern, was China dazu führt, seine Anstrengungen in Richtung Ägypten, Jemen, Oman … zu vervielfachen. Es ist so, dass der „Kleinkrieg“ zwischen Saudi-Arabien und dem Iran im Jemen oder auch die blinden Aktionen der Europäer in Libyen jedes Mal für die chinesischen Interessen Konsequenzen haben, was einen Willen Chinas rechtfertigt, sich mit den militärischen Mitteln für die Verteidigung dieser Interessen auszustatten. Auch im Bereich des Roten Meeres waren der Sudan und seine Häfen bereits das Objekt von Konflikten zwischen insbesondere den Vereinigten Staaten und China, ein Konflikt der zur Teilung zwischen Nord- und Südsudan geführt hat, was nicht viel löst[4]. Im Sudan kollidieren auch chinesische und japanische Interessen. Der nördliche Teil der Durchfahrt durch das Rote Meer ist dagegen unter völliger saudischer Kontrolle, da der ägyptische Präsident al-Sissi ein Verbündeter Saudi-Arabiens ist. Auch die Emirate sind Akteure in der Region, mit anderen Interessen als Saudi-Arabien. Sie haben Basen in Eritrea und in Somalia, aber auch im Jemen als Folge ihrer Zweckallianz gegen die Houthis. Auch die Europäer sind vor Ort. Diese Warnung ist nicht ausreichend, um die Liste aller nationaler Interessen, die sich um den Suez-Kanal, das Rote Meer und die Meeresstraße von Bab al-Mandab drängen, aufzustellen. Eines ist sicher, in einer Welt, in der die strategischen Interessen der multipolaren Welt nicht aufeinander abgestimmt sind, sind die so strategischen Orte, wie die Durchfahrt durch das Rote Meer die perfekten Zündquellen für transkontinentale Konflikte. Insbesondere diese Region hat die Eigenschaft, dass sie in einem geopolitischen Vakuum gelegen ist: an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Kontinenten gibt es keine supranationale Instanz, die in der Lage ist, die potentiellen Kriegsparteien an einen gemeinsamen Tisch zu bringen. Deshalb eine Warnung zu dieser Region der Welt.

Südamerika kippt

Der Kalender der südamerikanischen Wahlen ist bis zum Brechen voll. Der Trend eines Umschlagens nach Rechts dominiert. Aber es gibt Widerstandsorte im bolivarischen Geist, und keine kleinen: Venezuela hält sich gut und dem könnte sich in nächster Zeit Mexiko anschließen. Rechts oder Links, es sind harte und nationalistische politische Regimes, die über all an die Macht kommen. Die hoffnungslose Korruption wegen der Krise des Ölpreises, die den südamerikanischen Subkontinent hart trifft, wie auch neue Generationen, deren Bestrebungen sehr verschieden sind von denen der vorangegangenen, schaffen Polarisationen quer durch die ganze Region. Die Dummheit der wirtschaftlichen Kräfte, die glaubten, dass alleine die rechtliche Harmonisierung Südamerikas seine Integration ermöglichen könnte, degeneriert: die Links-Regierungen stolpern über Korruptionsvorwürfe, um durch noch korruptere Rechts-Regierungen ersetzt zu werden. Dadurch kommt es zum Auftauchen von im wesentlichen rechten, aber auch linken Populisten mit nationalistischer Tendenz. Wenn die Ausschaltung Lulas bei den nächsten Wahlen den Weg für die Wahl des Ultra-Nationalisten Bolsonaro (dessen Entwicklung wir seit fast einem Jahr aufmerksam verfolgen) an die Spitze von Brasilien frei macht, dann werden die Grenzkonflikte mit Venezuela wohl unvermeidlich ausarten. Es gibt zahlreiche territorialen Ansprüche auf dem Subkontinent. Vielleicht warten die Amerikaner darauf, mit Macht zurückzukommen, um die Ordnung in der Region wieder herzustellen … aber haben sie dazu wirklich die Mittel? Wenn sie sie nicht haben, könnte Südamerika beginnen wie Europa in den dreißiger Jahren auszusehen… Die „Welt von Morgen“ birgt Überraschungen, von denen Lateinamerika ein Teil sein könnte… Lateinamerika ist auch eine der am schwersten zu verstehenden Regionen der Welt: unter einer scheinbaren Einfachheit macht das Nichtvorhandensein von gemeinsamen multilingualen Medien seine Entwicklungen uns sehr fremd.

Die BRICS versinken im Treibsand

Der jüngste Rücktritt des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma[5], hat viel mit einer sozialen, politischen, institutionellen und Modernitätskrise zu tun. Aber ein bisschen auch mit seiner Entscheidung, sich den BRICS anzuschließen[6]. Sein Nachfolger Cyril Ramaphosa könnte viel weniger Enthusiasmus für die Teilnahme Südafrikas an den Gremien und Zielen der BRICS zeigen. Wir antizipieren nicht den Austritt Südafrikas [7]. Um die BRICS-Dynamiken zu blockieren, ist es effizienter, wenn an ihnen wenig motivierte Länder teilnehmen: mit Brasilien, Indien und jetzt Südafrika sind die BRICS jetzt ziemlich aus dem Rennen… Aber das ist ganz und gar keine gute Nachricht. Stattdessen sehen wir wahrscheinlich einen Versuch, die Welt um 3-4 Pole und ihre Hinterhöfe herum aufzuteilen: China überlässt Südamerika den Vereinigten Staaten, die Vereinigten Staaten überlassen Südostasien China, Afrika wird Europa überlassen. Diese Konfiguration basierend auf der territorialen Logik der geschützten Jagd ist ein perfekter Nährboden für Konflikte, der nur eine Zeit kennt… und zwar eine sehr kurze.

Umwelt: Krise der Neudefinition

Abbildung 2 – Weltweite Nachfrage nach verschiedenen Materialien, um Batterien für elektrische Automobile zu bauen, 2015-2030. Quelle: The Globe and Mail.

 

Im Westen werden die Umwelt-Agenden nach der Einschätzung unseres Teams große Rückschläge erfahren. Hier einige Gründe, die uns zu dieser Antizipation führen: die Unglaubwürdigkeit der ökologischen Bewegungen hängt mit ihrer Haltung von NIMY (Not in My BackYard – Nicht in meinen Hinterhof) zusammen: nachdem sie zum Beispiel für Müll-Recycling-Anlagen gekämpft haben, kämpfen sie dafür, dass diese Anlagen nicht in ihrer Nachbarschaft gebaut werden. Der amerikanische Rückzug aus der Umwelt-Agenda bringt, selbst wenn es mittelfristig eine gute Nachricht ist, weil die Vereinigten Staaten eher ein blockierender als ein freiwilliger Teilnehmer waren, bestimmte Aspekte der Umsetzung der Agenda in einen Schwebezustand: Fragen zu den Grundlagen (ist die Erwärmung der richtige Kampf? Sind die erneuerbaren Energien die richtige Lösung[8] ? …); Infragestellung der Elektromobilität: der mit dieser Strategie verbundene riesige Bedarf an Elektrizität stellt den Effekt des gesuchten Schutz der Umwelt in Frage; die Liquiditätskrise wegen der Beendigung des QE und die Schwierigkeiten, in einer Welt zu investieren, die Steuererhöhungen ablehnt, sind Investitionen in die energetische und ökologische Transformation problematisch; die Reindustrialisierung und die Verschiebung der produktiven Aktivität in den Westen wird wahrscheinlich nicht mit der Säuberung unserer Umwelt einhergehen; die Umwandlung Europas in einen Getreidespeicher für China[9] und der damit einhergehende Einsatz intensiver Landwirtschaft hat nichts von Bio an sich; der wahrscheinliche Niedergang des Gas- und Ölpreises beendet die Wettbewerbsfähigkeit der anderen Energien; das Abgleiten Europas und Südamerikas nach extrem-rechts wird Umweltschutzprojekte in der Priorität ganz nach hinten stellen. Also wird die Umwelt-Agenda nach Osten wandern für eine, hoffen wir, nicht zu lange Zeit  (2018-2025).

GEAB 122 (Lesen Sie)

[1]    In einer Woche wurden eine israelische F-16, eine iranische Drohne, ein russischer Jet und ein türkischer Hubschrauber abgeschossen … Quelle: Yahoo, 14/02/2018 und ungefähr 200 russische Söldner wurden von den amerikanischen Kräften getötet, Quelle: Bloomberg, 13/02/2018

[2]    Siehe unsere vorigen Artikel zu diesem Thema, die wir völlig aufrecht erhalten. Quelle: GEAB

[3]    Quelle: Reuters, 01/08/2017

[4]    Während China seine Hilfen für den Südsudan multipliziert, verstärken die Vereinigten Staaten ihre Sanktionen und verschlimmern die Spannungen. Hier ein Beispiel zur Waffenbeschränkung. Quelle: VOAnews, 05/02/2018

[5]    Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma tritt „mit sofortiger Wirkung“ zurück. Quelle: Le Monde, 14/02/2018

[6]    Man muss nur diesen Artikel lesen, um sich davon zu überzeugen, dass diese Entscheidung von Zähneknirschen bestimmter Kräfte des Landes begleitet war. Quelle: News24, 11/02/2018

[7]    Es ist übrigens Gastgeber und Organisator des 10. BRICS-Gipfels im nächsten Juli. Quelle: The South African, 29/01/2018

[8]    Zu diesem Thema bringt das Erscheinen des Buches von Guillaume Pitron mit dem Titel „La guerre des métaux rares“ (Der Krieg der seltenen Erden) die Schäden für die Umwelt durch die neuen Technologien und die erneuerbaren Energien, die die Verschmutzung reduzieren sollen. Der Erfolg dieses Buches ist kein Zufall.

[9]    Siehe diesen alten Artikel „L’appétit dévorant de la Chine en Europe de l’Est“ (Chinas unstillbarer “Appetit in Osteuropa). Quelle: Sputnik, 07/12/2015, aber auch Zahlen wie in Spanien: „Apart from infrastructure and real estate and hospitality, other important sectors include agriculture products and food and beverages, which received around EUR 525 million according to the Rhodium Group. In the European context, agriculture in Spain is a comparatively important target for Chinese investors“ – Quelle: Eurasia Review, 10/02/2018

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Zusammenfassung

Anfang Februar gab es an den amerikanischen Börsen und in ihrem Gefolge an allen Weltfinanzmärkten eine heftige Korrektur. Der Dow-Jones-Index verlor seine Januargewinne in zwei Tagen und geriet in eine [...]

Der Brexit hätte das lang ersehnte Vorhaben der Neudefinition der Arbeitsweise und der Ziele Europas anstoßen können. Aber heute zieht es Brüssel vor, sich über die Schwierigkeiten Großbritanniens lustig zu [...]

Die Zukunft ist voll von vorgegebenen Fakten, auf denen die Antizipationen, die unsere Entscheidungen beleuchten, basieren. Deshalb gibt unser Team seinen Lesern diese „Rohdaten“ seiner Arbeit in der Form eines [...]

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