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Der monatliche Informationsbrief des Laboratoire européen d'Anticipation Politique (LEAP) - 15 Mai 2021

Energie, Rohstoffe: Wird es für alle reichen?

Die Welt nach Corona ist eine multipolare Welt, in der mindestens drei der großen Pole um Bodenschätze und industrielle Produktion konkurrieren, welche bis vor kurzem hauptsächlich den westlichen Polen – den Vereinigten Staaten und Europa – vorbehalten waren. Zu diesen zwei hinzugekommen ist vor allem Asien.

Der Trend ist unerbittlich. In den letzten 20 Jahren ist der weltweite Bedarf an Rohstoffen im gleichen Tempo explodiert wie das Wachstum der Weltwirtschaft in einer begrenzten Welt. Vor jeder Krise gibt es einen starken Anstieg des Handels mit – und damit der Preise von – Rohstoffen. Aus systemischer Sicht ist die Krise von 2008, um nur eine zu nennen, eng mit der Vervierfachung des Ölpreises innerhalb von 6 Jahren (2002-2008) verbunden.

Die Grafik unten zeigt deutlich, dass der natürliche Trend nach oben geht, aber die Realität scheint sich  immer dann, wenn sich die Preise erholen, schmerzlich in Erinnerung zu bringen: Finanzkrise 2008, geopolitische Krise (Europa-Russland) 2014, Corona-Krise 2020 …

Abbildung 1 – Ölpreise über 70 Jahre – Macrotrends, 2021

 

Aber Trümmer, Kriege, Pandemien … nichts hilft, immer geht alles wieder hoch, sobald die Gefahr vorbei zu sein scheint.

Die verlorene Zeit kann nicht nachgeholt werden

Dennoch war der Einzug von 4,5 Milliarden Asiaten[1] in das westliche Wirtschaftsmodell zweifellos antizipiert. Vor allem die Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und die Digitalisierung unserer Gesellschaften wurden entwickelt, um die materiellen und energetischen Lasten dieses Wirtschaftssystems zu reduzieren. Aber zwangsläufig konnten diese Projekte zur Dematerialisierung des Wachstums nicht allen gefallen, und die Interessen, die sie verletzten, waren mächtig: Der Aufwand für die Reform des Modells war zu groß, um alle ins Boot zu holen (Vereinigte Staaten), ganz zu schweigen davon, dass bestimmte Sektoren (Ölgesellschaften, usw.) unter die Räder kamen.

Da die Investitionen in den Übergang viel höher waren als die in die Kommunikation, trugen große Interessen dazu bei, die Umweltschutzagenda zu verzerren: sie schlugen falsche Lösungen vor, untergruben die Rationalität einer leicht von den Medien manipulierbaren öffentlichen Meinung, hinderten die Entscheidungsträger daran, die richtigen Entscheidungen zu treffen, radikalisierten eine wachsende Masse von Anhängern, die mehr und mehr den „wirtschaftlichen Selbstmord des Westens“ befürworteten, … das Ganze endete damit, dass etwa zwanzig Jahre damit vergeudet wurden, zu wenige Entscheidungen zu treffen, die nicht immer die richtigen waren, und oft zurückgenommen wurden, …

Was die unverzichtbaren Investitionen in die Zukunftstechnologien betrifft, so haben sie zu dem geführt, was wir als eine „Futuritis“[2] (oder Zukunftshysterie) bezeichnet haben, die das Kapital in die phantastischsten Projekte (Hyperloop, Raumfahrt, Kolonisierung des Mars, …) gelenkt hat, anstatt in die nüchternere Suche nach neuen Materialien, wirklich innovativen Energietechnologien (wie Thorium) oder Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnnetzen.

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Zusammenfassung

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