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GEAB 131

Der monatliche Informationsbrief des Laboratoire européen d'Anticipation Politique (LEAP) - 15 Jan 2019
Pressemitteilung

LEAP gibt Ihnen, wie jedes Jahr, einen zusammenfassenden Überblick über die wichtigsten „Rauf und Runter“-Trends[1] für das kommende Jahr. Abgesehen von seinem intellektuellen Wert, der natürlich viele der Analysen unserer Forscher aus den letzten Monaten reflektiert, dient dieser Beitrag von LEAP auch dazu, Ihnen ein besseres Verständnis der Prioritäten der Tagesnachrichten zu geben, sowie Leitlinien für Anlagemöglichkeiten. Dieser Überblick kann dem GEAB-Leser somit sehr konkret bei der Vorbereitung auf das laufende Jahr helfen. Mit Erfolgsquoten zwischen 68 und 85% in den letzten dreizehn Jahren ist diese Antizipationsarbeit daher eine besonders konkrete Entscheidungshilfe für 2019.

Für eine flüssige Lesbarkeit unseres Panoramas haben wir uns entschlossen, unsere Trend-Antizipationen für 2019 nach Themen sortiert darzustellen.

Governance (Regierungsführung)

Strukturierender Trend: Die große Annäherung zwischen nationalistischen „Populisten“[2] und supra/nationalen administrativen Strukturen

Diese Annäherung wird fallweise unterschiedliche Wege einschlagen: politische Übernahme von Institutionen (EU), erneute Regierungsübernahme durch die traditionellen Parteien, wenn die Reformarbeit von den „Populisten“ erledigt ist (Griechenland), Kompromiss zwischen den Parteien (Vereinigte Staaten, Indien), Übernahme populistischer Agenden durch die Administrationen (WTO[3]), usw.. Unabhängig von der Methode tendiert das Kräftemessen, das das Verhältnis zwischen den nationalistischen Populisten und den supranationalen Technokratien charakterisierte, dazu, 2019 zu verschwinden. Die allmähliche Machtergreifung der „Populisten“ macht jetzt diese neue Generation von  Politikern reifer und beweist den Administrationen, wie sehr sie dies Inkarnation von Macht brauchen, um Lösungen umzusetzen.

„Rauf“ Trend – Internationale Organisationen und Verträge

Seit vielen Jahren beschreiben wir den allmählichen Niedergang der internationaler Organisationen des 20. Jahrhunderts. Mehrere von ihnen erhielten im vergangenen Jahr diverse Todesstöße, insbesondere von Donald Trump. Aber wir glauben, dass 2019 auf echte nachhaltige Reformarbeiten geleistet werden, die einige von ihnen wieder auf die Beine bringen könnten, insbesondere die WTO, aber auch den Atomwaffensperrvertrag. Die Polen und die Niederlande haben sich verpflichtet, ihn zu entstauben und haben eine umfassende Konsultation eingeleitet, die anlässlich des 50. Jahrestags des Vertrags (2024) zu einem neuen einvernehmlichen Text führen soll[4]. Wir werden sehen, ob andere Organisationen diesem Weg folgen.

„Runter“ Trend – Wut der Menschen

Die sozialen Bewegungen, die überall auf der Welt zunehmend zu hören sind, sind der Hauptgrund für dieses Umschwenken der Administrationen auf die Vorstellungen der sogenannten „Populisten“. Während die Ungeduld im Laufe des Jahres 2018 zugenommen hat und noch einige Monate anhalten wird, antizipieren wir eine allmähliche Trendwende, insbesondere in Europa und ab den Europawahlen, wegen einer offensichtlich besseren Berücksichtigung der Anliegen der Bevölkerung (durch die neuen Rechten), wegen Fortschritten bei der demokratischen Innovation (durch die neuen Linken) und wegen einer Verschärfung auf allen Gebieten (Internet unter Kontrolle, verstärkte Sicherheitsüberwachung).

Abbildung 1 – Popularität der französischen Exekutive, Februar 2018/Januar 2019. Quelle: YouGov

„Rauf“ Trend – Das politische Europa

Trotz aller Besorgnis erregender Aspekte der nächsten Europawahlen besteht kein Zweifel daran, dass sie demokratischer und europäischer denn je sein werden, mit neuen transnationalen Parteien (Diem25), nationalen Parteien, die tatsächlich in europäischen Listen und Programmen organisiert sind (Europäische Grüne, Europa der Nationen und der Freiheit und vielleicht sogar Europäische Liberale[5]), mobilisierten Bürgern (Gelbwesten, die sich allmählich europäisieren[6], um sich – ohne es überhaupt zu  merken – den Wahlen im Mai zu nähern). Die Lager sind sehr radikalisiert, aber paradoxerweise machen sie gemeinsame Sache für ein allgemeines Ziel der politischen Kontrolle der europäischen Institutionen. Und Tatsache ist, dass diese politischen Kräfte, sobald sie das Europäische Parlament erreicht haben (wenn auch nicht Schlüsselpositionen in der europäischen Technokratie), über eine ausreichende Kohärenz verfügen werden, um ihre Vorstellungen zu vertreten.

„Runter“ Trend – Freiheiten, Menschenrechte, Toleranz

Zwar setzt sich das demokratische Prinzip, wie im vorangegangenen Punkt dargestellt, durch, aber im Kontext einer solchen sozialen Umstrukturierung, dass die unvermeidliche, 2019 anstehende Etappe die Verschärfung der Kontrolle über unsere Gesellschaften (Migrationsströme, Überwachung der Bevölkerungen, usw.) sein wird, was natürlich erhebliche Risiken von totalitärer Tendenz mit sich bringt. Wir wiederholen: Um korrekt umgesetzt zu werden, hätte diese „Demokratisierung“ des supranationalen Regierungssystems vor dreißig Jahren in einem weniger explosiven Kontext durchgeführt werden müssen.

„Rauf“ Trend – Neue Formen der Bürgerorganisation

Aber die Bürger stehen dem hochtechnologischen und supranationalen politisch-institutionellen System nicht hilflos gegenüber. Die Systeme wurden von den traditionellen Parteien gesäubert, die Krise der repräsentativen Demokratie ist nun offen identifiziert, technologische Lösungen entstehen, um die Debatte zwischen Bürgern und Entscheidungssystemen zu erneuern (wie die Plattform Rousseau der 5-Sterne-Bewegung[7]), Bewegungen wie die Gelbwesten bringen die Bürger wieder in Kontakt, tragen auch dazu bei, das politische Denken zu entwickeln und den Vorrang des kollektiven Handelns zu bekräftigen, es entstehen immer innovativere Formen von politischen Parteien … Im Jahr 2019 stehen wir noch am Anfang dieses Trends, aber wir laden unsere Leser ein, auf diese ersten Manifestationen zu achten.

„Rauf“ Trend – Städte

In der Architektur der weltweiten Governance entwickelt sich gerade eine neue Ebene, die viel relevanter ist als die der Regionen, in denen sie zuvor verwässert wurden: die Städte, die allmählich zur Grundeinheit der menschlichen Organisation werden. Weil sie näher am Bürger sind, transformieren sich die Städte in Laboratorien der gesellschaftlichen Innovation. Untereinander weit über die Landesgrenzen hinaus verbunden, entziehen sie sich der territorialen Logik (einer Quelle von Reibung) und schlagen eine neue Geographie von quasi-autarken Stadt-Inseln vor, umgeben von gemeinsam verwalteten Räumen. Kein Wunder, dass Politiker, die bisher in den Regierungen aktiv waren, in die Metropolen fliehen[8], die heute als die waren Orte der „umgestaltenden Macht“ angesehen werden. Wir werden weiterhin die Indikatoren für diesen langfristigen Trend beobachten.

„Runter“ Trend – Brexit

Ob die Scheidung vollzogen oder verschoben wird, die extremen Spannungen, die in diesem Moment durch den sich nähernden Termin entstehen, werden bald verschwinden und das Brexit-Thema wird in den europäischen und britischen Nachrichten an Wichtigkeit verlieren. Dies ist der Trend … Jetzt ein Szenario für einen Ausweg aus der Krise: no-deal unmöglich (erfordert jetzt die Zustimmung des britischen Parlamentes), aber auch kein deal (das von May ausgehandelte Abkommen wird von ihrem Parlament nicht angenommen). Infolgedessen wird der Brexit verschoben, die britischen Bürger nehmen also an der ersten echt europäischen Wahl teil[9] , die dazu geeignet ist, sie mit dem Kontinent zu verbinden und die Bedingungen für ein „Ja“ in einem zweiten Referendum zu schaffen, um zu entscheiden, ob sie in einem radikal veränderten Europa bleiben oder nicht. Dann hätten wir eine perfekte Win-Win-Situation: Großbritannien, das die Transformation der EU ermöglicht hat, die EU, die ihre Unverzichtbarkeit bekräftigt – und der GEAB, der antizipiert hatte, dass es keinen Brexit geben würde!

Wirtschaft-Finanzen-Währungen

Strukturierender Trend: Vereinfachung

Das immer offensichtlichere Versagen des klassischen Finanzsystems, den Möglichkeiten und den Anforderungen des Wirtschaftswachstums zu dienen, hat eine solche Komplexität erzeugt, dass niemand mehr nichts versteht.  Solange die Dinge mehr oder weniger funktionieren, konnte der „Glaube“ an dieses System weiter bestehen; aber es muss anerkannt werden, dass wiederholte Misserfolge diesen blinden Glauben in Frage stellen und schlicht und einfach zum Rückzug der Wirtschaftsakteure führen. Es ist interessant, dass Uber sich kürzlich entschieden hat, nicht an die Börse zu gehen, da sie glauben, dass das System nicht zuverlässig genug ist[10]. Auch der Governeur der BoE, Mark Carney, erklärte kürzlich, dass „die Entwicklung des globalen Finanzsystems hinter der der Weltwirtschaft zurückbleibt“. Dies ist eine riesige Ohrfeige einer Autorität des betreffenden Systems mit sicherlich weitreichenden Folgen. Die Unverständlichkeit dieses Systems ist in der Tat nur ein Spiegel seiner Dysfunktion. 2019 sollte einen Prozess zur Rationalisierung des Finanzsystems, seiner Vereinfachung und Neuverankerung in der wirtschaftlichen Realität einleiten.

„Rauf“ Trend – Reform des globalen Finanz- und Wirtschaftssystems

Aus den oben genannten Gründen wird die Finanzkrise zunehmend als Krise des Systems selbst erscheinen. Das Bewusstsein, dass es der Wirtschaft besser geht als dem Finanzwesen, dass die Finanzierungsmechanismen dieser Wirtschaft den Rahmen dieses westlichen Finanzsystems verlassen haben (shadow banking, usw.), dass nicht nur die chinesischen Unternehmen, sondern jetzt auch die US-amerikanische Unternehmen, die für neue Technologie stehen, nicht einmal mehr versuchen, sich diesem System anzuschließen (Uber), oder sogar versuchen, es zu verlassen (Tesla[11]), sollte einen Prozess von Strukturreformen einleiten (nicht nur Regulierungsversuche), von dem wir 2019 erste starke Anzeichen sehen könnten, wie wir weiter hinten in unseren „Rauf und Runter“ zeigen.

„Runter“ Trend – Dollar

Der erste Wendepunkt ist der Leistungsverlust des Dollars als starke Währung und damit als Säule des Währungs- und Finanzsystems. Wie wir schon seit langem schreiben, ist der derzeitige Präsident der Vereinigten Staaten selbst nicht für einen starken Dollar:

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Zusammenfassung

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