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Der monatliche Informationsbrief des Laboratoire européen d'Anticipation Politique (LEAP) - 17 Apr 2021
Pressemitteilung

In der Fallgrube des sich in den letzten Jahren verschärfenden Krieges zwischen den USA und China, könnte der Amtsantritts Bidens im Weißen Haus und seine Strategie, zur „Eindämmung“ der chinesischen Macht ein Lager von „Alliierten“ um Amerika zu scharen[1], die Europäer in Versuchung bringen, zu glauben, dass das westliche Lager gewinnen wird.

Dieses Gefühl wird durch den Nebelschleier verstärkt, den ein amerikanisch-zentriertes Informationssystem zwischen uns Westlern und nicht nur China, sondern dem Rest der Welt errichtet. Wenn man allerdings die Geschehnisse in der Anderen Welt objektiver betrachtet, gibt es allen Grund, an den Chancen, den (Handels-, ideologischen, technologischen oder sogar militärischen) Krieg zu gewinnen, den Amerika China als Antwort auf sein (im Moment noch) friedliches Projekt der Ko-Entwicklung aufdrängt, zu zweifeln.

Vergessen wir nicht, dass die amerikanische strategische Bevormundung Europas das Ergebnis unserer Irrungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist. Heute befindet sich Europa in einer relativ starken Position und ist in der Lage, seine strategische Autonomie durch ein geschicktes Spiel mit der Dualität der aktuellen Weltmacht zu verhandeln. Es wäre bedauerlich, wenn wir uns stattdessen für eine Seite entscheiden müssten, was uns in neue Irrungen führen  und in einer Situation der strategischen Schwäche enden würde, diesmal zugunsten von … China.

Zur Untermauerung dieser Warnung wird in diesem Artikel die Argumentation präsentiert, dass es für Amerika sehr schwierig sein wird, den Krieg gegen China zu gewinnen, den es seinen Verbündeten aufdrängt.

Amerika-China: Allgemeine Betrachtung des Kräfteverhältnisses

Werfen wir zunächst einen genaueren Blick auf den Vergleich zwischen China und den USA mir Hilfe dieser Infografik aus der ausgezeichneten Webseite VisualCapitalist.

Abbildung 1 – Die beiden Volkswirtschaften, USA und China. Quelle: Visual Capitalist.

Die wirtschaftlichen Schmerzen einer Abkopplung von China in Form einer Scheidung

Amerika verliert wertvolle Zeit und zieht seine „Verbündeten“ in ein schmerzhaftes strategisches Chaos.

Was die EU betrifft: Wenn die NATO-Russland-Krise von 2014 der europäischen Wirtschaft schwere Verluste zugefügt hat[2], was soll man dann zu den Sanktionen gegen die chinesischen strategischen Unternehmen sagen? Wie wir gesehen haben:

. sieht sich Europa in einer Zeit, in der es sein Digitalisierungsprojekt in Gang setzt, mit einem Mangel an Halbleitern konfrontiert[3]

. riskiert Europa, dass sein Parlament das globale Abkommen über Investitionen zwischen der EU und China ablehnt[4], welches es aus einer Position der Stärke heraus ausgehandelt hat, wobei es alle gewünschten Garantien[5] von einem China erhalten hat, das darauf bedacht war, Europa am Vorabend des demokratischen Wechsels in den USA nicht zu verstimmen (dieses Abkommen wurde insbesondere geschlossen, um den Zugang europäischer Investoren nach China zu erleichtern und das Investitionsgleichgewicht zwischen der EU und China zu wahren[6])

. könnte Europa miterleben, dass die Technologietransfers aufgrund von nationalistischen Spannungen zum Erliegen kommen[7] (nachdem es 30 Jahre lang von den USA und China ausgeplündert wurde)

. riskiert Europa, dass sein Programm für erneuerbare Energien gebremst wird, wenn es nicht mehr an chinesische Solarpaneele, seltene Erden und elektronische Komponenten für Windturbinen herankommt[8]

. usw. …

Für sich entwickelnde und Schwellenländer stellen die US-Sanktionen gegen China eine sehr schlechte Nachricht dar. In den letzten 10 Jahren haben diese Länder beeindruckende Entwicklungswege eingeschlagen, die sie zum einen direkt China zu verdanken haben (sowohl durch seine Investitionen als auch durch den neuen, von ihm propagierten Entwicklungsansatz[9]) und zum anderen der Vielfalt der Geldgeber, die sich vor ihren Haustüren drängen (also indirekt China).

Abbildung 2 – Entwicklung des chinesischen Handels in den letzten 20 Jahren. Quelle: IHS Markit, 2020

Es ist zwar unbestreitbar, dass der Planet lernen muss, sich aus seiner Abhängigkeit von China zu entwöhnen, aber das wird nur in Zusammenarbeit mit China gelingen. So schätzt eine amerikanische Studie die Kosten einer harten wirtschaftlichen Entkopplung der beiden Länder für die US-Wirtschaft auf 1 Billion Dollar[10]. Kann sich Amerika das erlauben?

Kommentare

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Zusammenfassung

Angesichts der immensen Herausforderungen, die die Konfrontation zwischen den USA und China für die Welt mit sich bringt, muss sich Europa bewusst sein, dass es kein unbedeutender Akteur ist, dass [...]

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