Multipolare Globalisierung im Jahr 2018 – Die EU übernimmt das protektionistische „Pro-Freihandels“-Modell

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Wie jeder weiß, hat Donald Trump eine umfassende Neuerfindung der Handelsbeziehungen eingeläutet, dadurch dass er Zollschranken für Stahl und Aluminium eingeführt und dies, abgesehen von der Verpflichtung zum Schutz dieser Industrie und deren Arbeitsplätze, mit der strategischen Bedeutung dieses eng mit den Streitkräften verbundenen Bereichs begründet hat. Volkswirtschaft, Arbeitsplätze, nationale Sicherheit: es geht hier klar um die Frage der nationalen Souveränität. Und die supranationalen Konstrukte und Organisationen werden weiter unterminiert (insbesondere die WTO und die EU).

Zollschranken: Die EU im Visier von Trump

Die chinesische Konkurrenz wird als rote Fahne geschwenkt, damit die Pille geschluckt wird. Aber China ist von den Maßnahmen nicht am meisten betroffen. Obwohl es fast die Hälfte des weltweiten Stahls produziert, erscheint China nur auf dem 11. Platz der von den  Zöllen am meisten betroffenen Länder. Noch erstaunlicher, es sieht so aus, dass die am meisten betroffenen Länder zum Lager der Verbündeten gehören: Kanada stellt 16% der US Stahlimporte dar, gefolgt von Brasilien mit 13%, dann Südkorea (10%), Mexiko (9%) …

fig01Abbildung 1: Quelle: IHS

Europa erscheint in dieser Abbildung nicht, da es die EU in der Vorstellung der Medien (vor allem der der amerikanischen – ein Zufall?) nicht gibt. Real ist die EU der wichtigste Stahlexporteur in die Vereinigten Staaten, verantwortlich für 5 Millionen der 35 Millionen von den USA importierten Tonnen.

Wie wir bereits am Anfang dieser Ausgabe hervorgehoben haben, steht die Reaktion der EU im vollständigen Widerspruch zu ihren Grundprinzipien „Transatlantische Freundschaft und Freihandel“. Dies ist auf jeden Fall ein großer Erfolg für die Arbeit als „Frontenverschieber“, der sich Trump seit seinem Amtsantritt mit viel Einsatz gewidmet hat.

Wenn Trumps Maßnahme möglicherweise vor allem EU anpeilt und direkten Erfolg damit hat, den Adressaten dazu zu bewegen, seine Prinzipien zu verraten, kann man sich mit der Hypothese anfreunden, dass das von Trump angegriffene Handelsmodell vielleicht viel europäischer ist, als es die Europäer glauben.

Handelsbeziehungen: Erfolg und Dekadenz des europäischen Modells

Tatsache ist, dass die EU wegen eines erfolgreichen Binnen-Freihandelsmodell in den neunziger und 2000er Jahren eine Art Lokomotive für die Globalisierung war. Sie hat sich legitimerweise darum bemüht, ihr Modell der regionalen Integration in verschieden Regionen der Welt zu exportieren. Dann – und hier begann wahrscheinlich ihr Scheitern – begann sie davon zu träumen, Vorkämpfer und Zentrum der Liberalisierung des Welthandels zu werden. Ein Schritt zu weit!

Bereits mit der Integration von wirtschaftlich und politisch sehr verschiedenen Ländern wie die Osteuropas fing die regionale Integration der EU an, Schwierigkeiten zu erleben. Was soll man dann über das Ziel einer Übernahme dieser Prinzipien für den ganzen Planeten sagen? Trotzdem begann die EU in den neunziger Jahren mit einer Reihe von Freihandelsabkommen, meist verhandelt aus der Rolle des Stärkeren gegen den Schwächeren. Aber die EU war ein solcher Erfolg, dass diese Abkommen ihren Partnern wirtschaftlich unvermeidlich erschienen, selbst wenn bestimmte Aspekte für sie oft schwer zu schlucken waren (erinnern wir uns an die Handelsabkommen mit Marokko, die dieses Land zwangen, seine Barrieren für die europäischen Produkte aufzuheben, aber vorher die europäischen Agrarschranken für seine eigenen Produkte zu akzeptieren … Für mehr, GEAB 123 / Abonnieren Sie