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GEAB 136

Der monatliche Informationsbrief des Laboratoire européen d'Anticipation Politique (LEAP) - 15 Jun 2019

2010-2030 – Das Verschwinden des europäischen Bankensystems, wie wir es kannten

Aktuell vermehren sich die Berichte über die Gesundheit des europäischen Bankensektors zehn Jahre nach seiner schweren Krise[1]. Aber erstens haben es die europäischen Banken nur mit öffentlichen Mitteln geschafft, aus ihr herauszukommen[2]; zweitens gelten einige Riesen immer noch als entschärfte Bomben (Deutsche Bank[3], Commerzbank[4], Monte Paschi[5], …); und schließlich hat das europäische Bankensystem Schwierigkeiten damit, den Bedarf des Kontinents zu finanzieren[6]. Die Bilanz der europäischen Bankenerholung ist daher zumindest gemischt: von der öffentlichen Hand gerettet und durch die Basler Regulierungen sicherlich saniert, aber auf Kosten von Finanzierungseffizienz. Sind die in Italien im fünfzehnten Jahrhundert erfundenen Privatbanken immer noch die relevantesten Akteure zur Finanzierung der europäischen Wirtschaft des 21. Jahrhunderts?

Organisation des europäischen Finanzierungssystems: Hin zu einem angelsächsischen Modell

Der Transformationsprozess ist bereits weit fortgeschritten und der Druck, dem die europäischen Banken seit zehn Jahren ausgesetzt sind, ist enorm und und kommt aus verschiedenen Richtungen. Die sehr hohen Betriebskosten der Banken[7], verbunden mit niedrigen – oder sogar negativen – EZB-Zinsen, belasteten den Sektor stark und zwangen ihn, sich mit allen Mitteln zu erleichtern, Personal und Filialen abzubauen[8]. Dennoch gingen seine Margen nach unten, auch angesichts der steigenden Kosten für Cyberkriminalität und Cybersicherheit[9]. Um den damit einhergehenden Rückgang ihres Gewinns auszugleichen, versuchen die Banken, Gebühren zu erfinden[10], aber seit dem Aufkommen neuer Online-Banken mit ultra-leichten Kommissionen ist der Wettbewerb hart[11]. Es ist daher nicht verwunderlich, dass traditionelle Banken – immer mit großem Aufwand – in Online-Versionen von sich selbst investieren[12] ; mit gemischtem Erfolg[13]. Die Regulierungen der Basler Abkommen zwingen die traditionellen Banken zu einer Vorsicht, welche ihre Kreditvergabekapazität untergräbt[14], eine Einschränkung, die offensichtlich viel mehr die älteren Banken, die ihr Geschäft bereinigen mussten, belastet – oder belastet hat – als die neuen Banken, die direkt auf dieser Rechtsgrundlage gegründet wurden.

Abbildung 1 – Rentabilitätsraten der europäischen Banken, 2015-2019. Quelle: Bloomberg/EZB.

 

Das europäische Bankensystem hat diese Kompression dennoch überlebt (es bestand offensichtlich nicht die Option, es explodieren zu lassen, daher die Bedeutung der öffentlichen Hilfen, Aufkäufe und Garantien während dieses Zeitraums). Aber es steht wohl noch nicht am Ende seiner Anpassungsbemühungen.

Seit 2015 wird nämlich bei den im Rahmen der Überlegungen zur Reform der Eurozone (Bankenunion, Eurobonds, Haushalt, Regierung, … usw.) genannten Ansätzen von einer Kapitalmarktunion[15] gesprochen, d.h. einem System, das grenzüberschreitende Investitionen in der Eurozone (oder EU) erleichtert.

Was die Reform der Eurozone betrifft, so wissen wir, dass Frankreich und die Niederlande bei den Lösungen in heftigem Gegensatz stehen, wobei letztere sogar ein ganzes Lager (die vielzitierte „neue Hanse“) gegen die französischen Vorschläge für eine Regierung der Eurozone mobilisiert haben, die die sie für zu zentralistisch halten[16]. Tatsache ist, dass die zunehmende Abneigung der Europäer gegen alles, was einem zentralisierten Europa ähnelt, die Position der Niederlande besonders relevant gemacht hat.

Es gibt daher derzeit keine Regierung der Eurozone, aber eine immer dringendere Notwendigkeit, die gemeinsame Währungszone zu vervollständigen durch ihre Fundierung auf einer verstärkten Kapazität zur Finanzierung der Volkswirtschaften der Länder der Eurozone. Wie wir bereits erwähnt haben, sind Salvinis Provokationen unbestreitbar durch die Vorstellung gerechtfertigt, dass die Zwänge der Zugehörigkeit zur Eurozone nur insoweit akzeptabel sind, als jeder Mitgliedstaat eine größere Finanzkapazität erhält, als er sich allein hätte schaffen können. Unwiderlegbar! 

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Zusammenfassung

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