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GEAB 139

Der monatliche Informationsbrief des Laboratoire européen d'Anticipation Politique (LEAP) - 15 Nov 2019

Globale systemische Krise – 2020: Beginn der Stabilisierungsphase

Der Titel ist provokativ in einer Medienwelt, die zu Recht auf die ökologische Katastrophe, die Revolten der Menschen, die Kriegsrisiken und die Finanzkrise des Jahres 2020 ausgerichtet ist. Aber unser Job ist es nicht, zu wiederholen, was jeder weiß, dass die chaotische Welt des Anfangs des 21. Jahrhunderts ein gefährlicher Ort ist … war die Welt alles in allem nicht schon immer ein gefährlicher Ort?

Seit 2006 analysiert der GEAB die Entfaltung der „globalen Krise“ (oder des globalen Übergangs) aus einer „systemischen“ Perspektive heraus, was ihn dazu imstande setzt, die Gemeinsamkeiten zwischen den unzähligen scheinbar unzusammenhängenden Ereignissen, die diese Periode der Geschichte beeinflussen[1], zu ermitteln und die Phasen eines Prozesses, der viel kohärenter ist, als es erscheint, zu identifizieren.

Diese Strenge der Beobachtung ist nur möglich, weil wir uns dazu zwingen, die kommenden Schritte zu „antizipieren“, eine Übung, die uns dazu bringt, den Wert unserer Hypothesen ständig zu überprüfen, denn „die Zukunft meldet sich bei uns“, im Gegensatz zur Vergangenheit, über die man sagen kann, was man will. Daher impliziert unsere Methode das Eingehen von Risiken. Aber da wir Ihnen unsere Ansichten nicht aufdrängen, bringen wir  in unsere Reflexion die kritische Intelligenz jedes einzelnen unserer Leser ein.

Mit diesen „Gebrauchswarnungen“ werden wir nun unsere Argumente ausbreiten für die Hypothese, dass der Gipfel der Krise hinter uns liegt und das Jahr 2020 die ersten sichtbaren Anzeichen einer Stabilisierung durch das Hochfahren eines neuen, das alte transzendierenden Systems aussenden wird.

Chaostheorie

In einem chaotischen System kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien aufgrund einer Vielzahl von Faktoren und deren Kombinationen eine Rolle bei der Entstehung eines Tornados in Texas spielen[2]. Das Ergebnis ist ein scheinbar nicht voraussagbares System, auf das die Handelnden, die die Entwicklung nicht mehr antizipieren können, chaotisch reagieren und so dazu beitragen, die Schwingungen des Ganzen zu verstärken.

Abbildung 1 – Die „Sensitivität gegenüber Ausgangsbedingungen“ bedeutet, dass Gesetze keine Vorhersage erlauben, da eine sehr geringe Änderung der Ausgangswerte zu einer ganz anderen Zukunft führt – Quelle: Matière et révolution, 2010

 

Ab Ende der neunziger Jahre wurde die Welt unter dem Einfluss der Globalisierung (Aufhebung der Grenzen) und des Internets (Verbindung der Systemteile miteinander) chaotisch: Die Geheimoperationen der CIA in Afghanistan entarten durch die Radikalisierung des Islam in eine populistische Welle in Europa, der Konkurs einer amerikanischen Bank im Jahr 2008 verursacht durch die Auswirkungen auf die europäische Währung eine politische Krise in Griechenland, die Schaffung von Facebook schafft ein riesiges Desinformationssystem, das zu einer Radikalisierung von Bevölkerungsgruppen beiträgt, das Abladen von Plastik in asiatische Flüsse verursacht riesige Demonstrationen in Europa, usw..

In 10 Jahren haben die so erzeugten immensen Schocks den vorherigen Überbau (supranational und international) gebrochen, was deren Bestandteile (Städte, Regionen, Staaten) dazu veranlasste, die Deiche, die sie vor der Phase der Globalisierung geschützt hatten (Protektionismus, Nationalismus), wieder aufzurichten.

Aber 2019 stießen, wie wir es in unserer Übersicht „Rauf und Runter“ vom Januar antizipiert hatten, nationalistische Lösungen an ihre Grenzen, keinem Land erschien es wünschenswert/möglich, sich zu sehr auf sich selbst zurückzuziehen (Bolsonaros Brasilien entkommt weder dem internationalen Blick auf Amazonien noch der Notwendigkeit an chinesischer Finanzierung, Johnsons Großbritannien hat alle Schwierigkeiten der Welt, aus der EU auszutreten, usw.). Daher ist die Zeit reif für eine Fusion zwischen der unvermeidlichen Öffnung zur Welt und dem Schutz der Grundeinheiten (der nationalen Einheiten), eine Fusion, die wir im März 2018 „Pro-Trade-Protektionismus“ nannten[3], die aber unserer Meinung nach im Jahr 2020 nicht nur ein Wirtschaftsmodell, sondern ein globales Gesellschaftsmodell begründen wird.

Künstliche Intelligenz

Wie wir weiter hinten im Artikel über das entstehende internationale Währungssystem sehen werden, ist es die Technologie, die uns in die chaotische Übergangsphase geführt hat, aber es wird auch sie sein, die im neuen Jahrzehnt ein neues nachhaltiges System hervorbringen wird, wobei das sehr entscheidende Jahr 2020 der Anfang ist.

Im Jahr 2020 ist 5G bereits da[4] und durch sie wird die künstliche Intelligenz durch das Aufkommen der Big Data-Ära[5] auf allen unseren virtuellen Verbindungen eingesetzt. Um auf die Chaostheorie zurückzukommen, diese zeigt, dass in einem komplexen System winzige Unterschiede in den Ausgangsbedingungen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen, was zu dieser scheinbaren Unvorhersehbarkeit führt. Die großen Datenmengen, die durch 5G verbunden sind, werden das Werkzeug für eine viel genauere Beobachtung der Realität bieten, die es uns ermöglicht, wieder Vorhersagbarkeit zurückzugewinnen.

Abbildung 2 –  Einsatz von 5G nach Ländern, Anzahl der Standorte pro 10.000 Einwohner. Quelle: Deloitte.

 

So baut die Agrarindustrie derzeit Kulturdaten auf, die es ihr ermöglichen, die Klimaverhältnisse in die Planung von Saatgut- und Pflanzenwahl und -plänen zu integrieren und sich so mit Werkzeugen zur Anpassung an das gestörte Klima auszustatten. Eine Anpassung der Landwirtschaft an neue klimatische Bedingungen, die auch zu einem geringeren Energie- und Ressourcenverbrauch und damit zu einer Verringerung der Umweltbelastung führen wird[6]. Das Gleiche wird in allen Industriezweigen passieren. Dadurch wird es möglich, auf Notstände und Klimaanforderungen zu reagieren und so die Wut der Menschen zu beruhigen … Stabilisierung[7].

Klima: zwischen Anpassung und Stabilisierung 

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Zusammenfassung

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